Im Rahmen des Projekts „Museum unserer Wünsche“ präsentiert das Saarlandmuseum in seiner Modernen Galerie eine Ausstellung zum fotografischen Schaffen von Simone Demandt. Ihr vielseitiges Werk ist oftmals in Serien angelegt und ebenso von einem hintergründigen Humor wie von einem tiefen Respekt vor dem Leben geprägt.

„Auf dem Rücken der Dinge“, eine Wendung, die Nietzsche wie auch Bloch verwendeten, weckt neben sprichwörtlich geprägten Assoziationen auch solche zu paradigmatischen Diskursen in der Fotografie und im postmodernen Denken. Man erinnert sich an Albert Renger-Patzsch, dem historischen Bezugspunkt der dokumentarischen Fotografie: Er wollte sein berühmtestes Buch ursprünglich nicht „Die Welt ist schön“, sondern „Die Dinge“ nennen. Man denkt an René Magrittes Bild einer Pfeife mit dem Beitext „Ceci n’est pas une pipe“, dessen Titel ins Deutsche übersetzt „Der Verrat der Bilder“ lautet, in dem das täuschende Verhältnis von Bild und Ding zu Irritationen führt. Und man denkt an Michel Foucault, den Autor von „Die Ordnung der Dinge“, der wiederum Magrittes „Verrat der Bilder“ erörtert. Die Dinge und wer sie besitzt, ordnet, benennt, nutzt, sehen darf und zeigt, spielen eine sehr wichtige Rolle in unserem Denken, Sehen und Zusammenleben. Auf ihrem Rücken entstehen Bilder, die – wie immer in der Fotografie – körperlich mit den Dingen verbunden sind.
In der Ausstellung sind Bilder aus fünf der bekanntesten Serien Simone Demandts zu sehen. Eine von ihnen – „Schemen“ – ist direkt im Erweiterungsbau der Modernen Galerie entstanden ist. Hier werden in Form von Skulpturen, Dinge aus der Sammlung des Museums auf die Wände des im Rohbaustadium befindlichen Neubaus projiziert.  In „Instrumenta sceleris“ inszeniert Demandt Asservate – Dinge, die als Beweismittel für die Strafverfolgung aufbewahrt werden. „Freude am Leben“ zeigt den Blick in private Garagen, in denen die Dinge als Ablagerungen des Lebens sichtbar werden. In „Dunkle Labore/Labs Overnight“ schildert die Künstlerin Situationen in Versuchslaboren, wo Dinge und Prozesse besonders geheimnisvoll in der Nacht für die Erkenntnisproduktion wirken. In der Serie mit dem Arbeitstitel „Blamage“ zeigt die Fotografin Innenansichten von Turnhallen. Sie werden gemeinsam mit Texten von Erlebnissen und Erinnerungen aus Turnhallen präsentiert, in denen oftmals eher eine (kollektive) Quälerei als die Freude an Bewegung und Wettkampf eine Rolle spielt.
bis 30. Januar 2022

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