Mit ihrer unmittelbaren Aussagekraft und ihrem erzählerischen Potenzial übt die Zeichenkunst eine Faszination aus, die heute aktueller denn je erscheint.

Insbesondere in Zeiten von Digitalisie-rung und Social Media rückt die subjektive zeichnerische Geste verstärkt in den Fokus zeitgenössischer Künstler und Künstlerinnen, aber auch ganz allgemein gilt das Medium als direkteste künstlerische Ausdrucksform. In der Herbstausstellung „Drawing Rooms: Marcel van Eeden | Karl Hubbuch” treten Vergangenheit und Gegenwart in einen spannenden Dialog miteinander: Marcel van Eeden, Jahrgang 1965, der niederländische Gegenwartskünstler und Rektor der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, und Karl Hubbuch (1891–1979), der Grafiker der Weimarer Republik und bekannte Vertreter der Neuen Sachlichkeit, begegnen sich unter dem Primat der Linie als Zeichner, Grafiker, Fotografen und Hochschullehrer.

Karl Hubbuch, Lachende, 1929 © Karl-Hubbuch-Stiftung/Städtische Galerie Karlsruhe 2022

Karl Hubbuch, Lachende, 1929 © Karl-Hubbuch-Stiftung/Städtische Galerie Karlsruhe 2022

Ausgehend von herausragenden Blättern des eigenen umfangreichen Bestands an Handzeichnungen und Druckgrafiken Karl Hubbuchs, dessen Nachlass 2020 als Schenkung ans Museum gekommen ist, inszeniert Marcel van Eeden über eine Distanz von über 100 Jahren hinweg einen Dialog von Klein- und Großformaten, Einzelmotiven, Schriftbildern und Fotografien, Serien und Künstlerbüchern. Wie kaum ein anderer in der zeitgenössischen Kunst verschafft Marcel van Eeden dem Medium der Zeichnung Aktualität. Auf Grundlage von Zeitschriften, Tageszeitungen, Büchern und Katalogen, die allesamt vor seiner Geburt im Jahr 1965 gedruckt wurden, erkundet er eine Zeit, die ohne ihn stattgefunden hat. Im Zwiegespräch der Zeichnungen verzahnen sich verschiedene Orte und Erzählstränge ebenso wie Fakten und Fiktionen kunstvoll miteinander: 16 Serien mit insgesamt über 300 Zeichnungen, darunter auch ganz neue, eigens für die Städtische Galerie Karlsruhe geschaffene Werke Marcel van Eedens, stehen dem eigenen, weltweit größten Werkbestand Karl Hubbuchs gegenüber. Hubbuch zählt neben George Grosz und Otto Dix zu den Protagonisten des Verismus und der Neuen Sachlichkeit in Deutschland. Bereits 1924 schrieb ein Rezensent anlässlich der ersten Einzelausstellung des Künstlers, Hubbuch sei „ein kühler Beobachter, ein philosophischer Kopf voller Einfälle, ein entschiedenes zeitsatirisches Talent und schließlich ein Zeichner von ganz hervorragenden Qualitäten“.
bis 12. Februar 2023
www.staedtische-galerie.de