Die Ausstellung ‘POWER! Von den Energien in der Kunst’, versammelt Werke in denen sich Künstlerinnen und Künstler in ihrer jeweils eigenen Bildsprache mit dem facettenreichen Phänomen ‘Energie’ beschäftigen.

Energie ist der unverzichtbare Treibstoff des Lebens. Menschen und andere Organismen benötigen sie für ihre Entwicklung. Ohne Energie gibt es keine Veränderung, keine Bewegung, kein Wachstum – keine Existenz.
Als bildliches Symbol für Entstehen und Vergehen steht die Kerze in einem Linolschnitt von Ernst Ludwig Kirchner aus der Horst und Gabriele Siedle-Kunststiftung, die ein ‘Mädchen auf der Treppe, leuchtend’ (1904) behutsam in der Hand hält. Die Arbeit zeigt die Bedeutsamkeit dieses ‘Lebenslichtes’ aus Wachs und Feuer zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Dialog mit der zeitgenössischen Arbeit ‘Argon Candle’ (2013) des britischen Künstlers Gavin Turk, einer Neonröhre in Form einer Kerze aus der Sammlung Frieder Burda, wird unser heutiges, völlig verändertes Verhältnis zu den Energiequellen Licht und Wärme thematisiert.
Joseph Beuys fasste Wärme als eine Energie auf, die in Materie eindringen kann, selbst aber immateriell und somit spirituell ist. Sie kann frei zirkulieren und ist ein belebendes Element, das Veränderung ermöglicht. Die Ausstellung zeigt Multiples von Beuys aus den Sammlungen Salenbauch in Göppingen und Grässlin in St. Georgen im Dialog mit Arbeiten aus den eigenen Beständen der Städtischen Galerie, die verdeutlichen, wie der Künstler Honig, Fett, Filz, Kupfer oder Zitronen als Wärme- und Energiespeicher einsetzte.
Zwar ist Energie unstofflich, kann also meist weder gesehen, noch haptisch erfasst werden, dennoch kann man sie klar an ihren Wirkungen erkennen. Das Entstehen und Vergehen körperlicher Energien untersucht in etwa Brigitte Schwacke in filigranen Raumzeichnungen aus dünnem Stahldraht in Form von Körperorganen wie Herz und Gehirn. Diese Objekte begegnen in der Ausstellung den zeichnerischen Studien von Jorinde Voigt aus der Sammlung Klein, in denen sich die Künstlerin dem Phänomen kollektiver Dynamik und Bewegung widmet. Mit Werken von Stefan Rohrer oder der französischen Künstlergruppe BP, in denen Fahrzeuge, Raketen, Rennstrecken und andere mechanische Apparate zum Einsatz kommen, wird in der Ausstellung auch die physikalische Größe Energie und deren Verbrauch verhandelt.
Die Energien der Natur veranschaulichen Künstlerinnen wie Ursula Binder, Karin Kneffel oder Andrea Zaumseil in Zeichnung, Malerei und Skulptur. Diesen Werken gegenüber erscheint die Explosion eines Obstbaumes in der Fotografie ‘Raketenbaum’ (2008-2012) von Michael Sailstorfer aus den Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen Donaueschingen wie ein brachialer und zugleich humorvoller Akt der Energiefreisetzung. Eine ähnliche Ambivalenz zwischen Kraft und Zerstörung thematisiert Torsten Mühlbach mit seiner Arbeit ‘Superdeath’ (2009), wenn er in einer Collage aus hunderten von Mülltüten den Superhelden mit Totenschädel zum Leben erweckt, der mit Dynamik und Aggressivität offensive Handlungsbereitschaft signalisiert.
In der Ausstellung kommen auch Künstlerinnen und Künstler zu Wort, die sich dem Thema Energie unter ökologischen Gesichtspunkten nähern. Das Kunststrom-Projekt Performance Electrics des Künstlers Pablo Wendel in etwa produziert kreative Energie, die über das System POWER STATION wieder ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird.
Die energetische Wirkkraft des Glaubens kommt in der Ausstellung unter anderem in Werken religiöser Thematik von Otto Dix, Käthe Kollwitz oder Peter Sauerer zum Ausdruck, welche die substantiellen Auswirkungen der Energien des Glaubens auf den Menschen zeigen. Die Bronze-Arbeit ‘Skull’ (2001) von Sherrie Levine aus dem SCHAUWERK Sindelfingen dagegen lässt den Betrachter die Endlichkeit des menschlichen Lebens reflektieren.
16. Mai bis 30. August 2020

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