Große Siege und tragische Niederlagen. Das Schauspielensemble des Tiroler Landestheaters lässt Sie trotz schwieriger Zeiten an großartigen Geschichten teilhaben.

jedermann (stirbt) von Ferdinand Schmalz
die (teuflisch) gute gesellschaft kündigt das Ende von jedermann an: Sie sieht in seiner Schöpfung nur „ein fünkchen nichts, an dem sie immer wieder krankt“. jedermann glaubt an nichts außer an sich selbst und die Macht des Geldes. Und er wird sterben.
armer nachbar gott ist ob des Zustands seiner Schöpfung sehr besorgt. Und doch hofft er noch darauf, dass dieser jedermann „ein umdenken beginnt“. Im Angesicht des Todes wird er sich bessern, wettet armer nachbar gott und die (teuflisch) gute gesellschaft wettet dagegen. Wer gewinnt, bekommt jedermanns Seele. Nichts ahnend plant jedermann währenddessen in seinem sicher eingezäunten Garten ein Fest.
Der steirische Bachmann-Preisträger Ferdinand Schmalz, der 2018 für diese seine Version von „der alten mär, vom jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal den Nestroy-Theaterpreis als bester Autor erhielt, transferiert die ursprünglichen Fragen von Leben, Tod und dem Dazwischen in die heutige Zeit. In seinem Stück erleben wir den verzweifelten Versuch einer von Finanzmacht besessenen Gesellschaft, die Augen vor der eigenen Verantwortung zu verschließen und somit auch die Angst vor der Leere zu betäuben. Müssen wir erst sterben, um die Tragweite unseres Mitwirkens an der Zerstörung der Umwelt und der Zukunft für die nächsten Generationen zu begreifen?
Die Schauspielerin und Regisseurin Elke Hartmann inszeniert Ferdinand Schmalz Spiel vom Sterben des reichen Mannes.
3., 4., 7., 10., 13., 17., 25., 26. und 27. März; 8., 9., 22. und 25. April; 2., 5. und 7. Mai 2021

Königin der Berge
Schauspiel nach dem Roman von Daniel Wisser. Bühnenfassung von Thomas Krauß.
Königin der Berge – so nennt Robert Turin seine Krankheit Multiple Sklerose. Die Diagnose erhielt er mit Ende zwanzig, jetzt ist er Mitte vierzig, lebt seit Jahren im Pflegeheim und hat ein großes Ziel vor Augen: selbstbestimmt zu sterben. Aber so einfach ist das nicht, denn ebenso wie er im Alltag auf Unterstützung angewiesen ist, braucht er auch zum Sterben Hilfe. Was sich anhört wie ein Trauerspiel, kommt bei Daniel Wisser herzzerreißend komisch daher, denn Turin ist kein bemitleidenswerter Todkranker. Er säuft. Er ist ein Sexist und schafft es, seine Frau auch als impotenter Rollstuhlfahrer noch zu betrügen. Er quält die Schwestern und trotzdem versteht man, warum sie ihn mögen. Turins toter Kater Dukakis begleitet ihn durch alle Widrigkeiten des Heimlebens, das zugleich lustig, absurd und abgründig ist. Und Dukakis ist es auch, der nüchtern zusammenfasst: „Ich mache Turin keinen Vorwurf, er ist kein schlechter Mensch. Er hat sich nur niemals Zeit genommen für die Menschen und Katzen, die ihm am nächsten waren. Und heute tut ihm das leid. Aber das ist nicht der Grund, warum er MS bekommen hat. Es gibt überhaupt keinen Grund, warum Herr Turin MS bekommen hat. Es gibt Ursachen dafür, aber keinen Grund. Das ist für die Menschen am schwierigsten zu verstehen.“
Daniel Wisser, Schriftsteller, literarischer Performer und Mitglied des Ersten Wiener Heimorgelorchesters, erhielt 2018 für seinen gefeierten Roman den Österreichischen Buchpreis. Nestroy-Preisträger Felix Hafner, der bereits das Auftragswerk „Die Österreicherinnen” mit großem Erfolg am Tiroler Landestheater inszenierte, widmet sich nun dieser hinreißenden Geschichte über die schreckliche Schönheit des Lebens.
5., 20. und 21. März; 10. April 2021

Wer hat Angst vor Virginia Woolf von Edward Albee. Deutsch von Martin und Alissa Walser.
Albees Absicht, Dramen zu schreiben, die „so tief unter die Haut gehen, dass es fast unerträglich ist“, findet in diesem Stück seine konsequente Umsetzung. Die Umgangssprache der lebensnah gezeichneten Figuren und die beklemmende Atmosphäre dieses Psychodramas zeichnen den modernen Klassiker aus. Weltberühmt wurde das Werk durch die Verfilmung mit Richard Burton und Elisabeth Taylor – bei denen bekanntlich auch im privaten Leben heftig die Fetzen flogen.
11., 14., 19., 24. und 28. März; 15., 16. und 17. April 2021

Blues Brothers. Im Auftrag des Herrn.
Das Kultmusical aus den achtziger Jahren erobert die Bühne des Tiroler Landestheaters! Und mit ihm die beiden liebenswerten Gauner in schwarzen Anzügen, die eigentlich „nur“ Musik machen wollen und doch von einem Fiasko ins nächste stolpern. Aber davon lassen sich die Blues Brothers nicht aufhalten, oh nein. Genauso wenig wie von Nazis, Countrymusikern oder der attraktiven Person, die so verdammt gut mit Waffen und Sprengstoff umgehen kann und offenbar noch eine Rechnung mit Jake offen hat … Ein Hit jagt den nächsten auf diesem Roadtrip der besonderen Art: „Jailhouse Rock“, „Gimme Some Lovin‘“, „Stand By Your Man“, „Think“, „Peter Gunn Theme“ – kurz: der beste Soundtrack aller Zeiten!
Susi Weber inszeniert diesen musikalischen Roadtrip Blues Brothers im Großen Haus.
Premiere 24. April 2021
weitere Aufführungen 28. und 29. April; 6., 9., 12., 14., 16., 18., 20., 21., 23. und 28. Mai 2021

Die Verwandlung
Schauspiel nach der Erzählung von Franz Kafka. Bühnenfassung von Christina Gegenbauer.
Nach einer unruhigen Nacht erwacht der Handlungsreisende Gregor Samsa eines Morgens als ungeheures Ungeziefer mit Panzer, Flügeln und Fühlern. Der Ernährer der Familie ist plötzlich zu einem ekelerregenden, kriechenden Käfer geworden. Unter Menschen kann er so nicht gehen, seine Arbeit verliert er nach kürzester Zeit. Auch seine Eltern wenden sich nach anfänglicher Anteilnahme von ihm ab. Scham und Ekel sind größer als die Liebe zu ihrem Sohn. Seine Schwester Grete versucht zunächst noch zu begreifen, was mit ihm und in ihm vorgeht, und kümmert sich um ihn. Schließlich verbündet aber auch sie sich mit dem despotischen Vater und erklärt Gregor zum lebensunwerten Untier.
1912 schrieb Franz Kafka seine Erzählung über das Schicksal eines modernen Individuums im Angesicht der sich stetig wandelnden Gesellschaft. In einer surrealen Erzähllandschaft zeichnete er ein expressionistisches Traumbild, das autobiografische Züge trägt. Die Miss- und Verachtung seiner Umgebung wird zum Horrortrip des Protagonisten, der sich wie so viele Andersgläubige, Andersdenkende, Anderslebende, Andersliebende, Fremde und Entfremdete, Verunsicherte und Schikanierte als ausgegrenzte Kreatur erleben muss. Mit Die Verwandlung gelang Kafka ein Meilenstein der modernen Literatur, der wie kaum ein anderes Werk zugleich begeistert und verstört. Bis heute hat der vielschichtige Text immer wieder zu den verschiedensten Deutungen angeregt.
Premiere 8. Mai 2021

www.landestheater.at