Mit gerade einmal Anfang zwanzig hat Emma Rawicz bereits eine unverwechselbare Stimme im europäischen Jazz entwickelt. Die britische Saxofonistin stellt in der Centralstation Darmstadt ihr Projekt „INKYRA“ vor – Musik voller rhythmischer Energie, farbenreicher Improvisationen und überraschender stilistischer Begegnungen.

Rawicz gehört zu den bemerkenswertesten Nachwuchskünstlerinnen der internationalen Jazzszene. Nach ihrem Studium an der Royal Academy of Music in London sorgte sie mit ihrem Debütalbum „CHROMA“ 2023 für Aufmerksamkeit. Ihre technische Souveränität und ihr ausgeprägtes Gespür für komplexe musikalische Strukturen ermöglichten ihr früh die Zusammenarbeit mit etablierten Künstlern. Besonders das 2025 erschienene Duoalbum „BIG VISIT“ mit dem Pianisten Gwilym Simcock zeigte ihre Fähigkeit, musikalische Ideen im unmittelbaren Dialog weiterzuentwickeln.

„INKYRA“ entstand aus der intensiven Zusammenarbeit eines Sextetts, dessen Mitglieder ihre musikalischen Vorstellungen über einen längeren Zeitraum hinweg gemeinsam erprobten. Statt auf festgelegte Genregrenzen setzt Rawicz auf eine offene Klangsprache, in der sich zeitgenössischer Jazz mit Einflüssen aus Progressive Rock, brasilianischer Rhythmik und psychedelischen Klangwelten begegnet.

Die Kompositionen entfalten sich häufig aus markanten rhythmischen Figuren oder weitgespannten melodischen Linien. Daraus entwickeln sich improvisierte Passagen, in denen die Musiker ihre individuellen Stimmen einbringen können. Der Wechsel zwischen sorgfältig gestalteten musikalischen Strukturen und spontanen Entwicklungen gehört zu den prägenden Eigenschaften des Projekts.

Rawicz beherrscht neben dem Saxofon auch Bassklarinette, Flöte und Klavier. Diese Vielseitigkeit spiegelt sich in ihrem Verständnis von Komposition und Ensembleklang wider. Zu ihren Inspirationsquellen zählt unter anderem die kanadische Singer-Songwriterin Joni Mitchell, deren Verbindung von poetischer Ausdruckskraft und harmonischer Experimentierfreude weit über die Popmusik hinausgewirkt hat.

Mit „INKYRA“ präsentiert Emma Rawicz eine junge, selbstbewusste Form des europäischen Jazz, die Virtuosität nicht als Selbstzweck versteht. Vielmehr entstehen aus der intensiven musikalischen Kommunikation Klangwelten, die ebenso anspruchsvoll wie unmittelbar zugänglich sind.
4. Februar 2027

centralstation-darmstadt.de