Ein Komponist am Klavier, ein international gefeierter Pianist und ein Chor von Weltrang: Im Herkulessaal der Münchner Residenz begegnen sich die musikalischen Welten von Thomas Adès und Johannes Brahms. Der Chor des Bayerischen Rundfunks und Mitglieder des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks gestalten einen außergewöhnlichen Abend zwischen Kammermusik, Liedkunst und zeitgenössischer Komposition.

Thomas Adès zählt zu den bedeutendsten britischen Komponisten der Gegenwart. Seine Werke werden weltweit von führenden Orchestern und Opernhäusern aufgeführt und zeichnen sich durch eine eigenständige musikalische Sprache aus, in der rhythmische Komplexität, klangliche Fantasie und emotionale Ausdruckskraft zusammenfinden. Zugleich ist Adès als Pianist und Dirigent tätig und interpretiert regelmäßig eigene Kompositionen ebenso wie Werke anderer Komponisten.

Den Auftakt bildet Leoš Janáčeks „Concertino“ für Klavier, zwei Violinen, Viola, Klarinette, Horn und Fagott. Das 1925 entstandene Werk gehört zu den originellsten Kammermusikkompositionen des tschechischen Komponisten. Seine ungewöhnliche Instrumentierung und die charakteristischen rhythmischen Figuren lassen eine fantasievolle musikalische Welt entstehen, in der die einzelnen Instrumente beinahe eigene Persönlichkeiten entwickeln. Die Musik bewegt sich zwischen spielerischer Leichtigkeit, geheimnisvollen Klangbildern und überraschenden dramatischen Wendungen.

Einen besonderen Höhepunkt verspricht die Uraufführung von Adès’ „Deutsches Liederbuch“ für Chor und Klavier zu vier Händen. Das neue Werk stellt die menschliche Stimme in den Mittelpunkt und eröffnet einen zeitgenössischen Blick auf die traditionsreiche Gattung des deutschen Liedes. Anschließend erklingt „Növények“, ein Zyklus von sieben ungarischen Gedichten für Mezzosopran und Klaviersextett. Die Komposition zeigt Adès’ intensive Beschäftigung mit Sprache, Klangfarben und den vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten kleiner Instrumentalbesetzungen.

Mit Johannes Brahms’ „Liebeslieder-Walzern“ op. 52 kehrt das Programm schließlich ins 19. Jahrhundert zurück. Die 1868/69 entstandenen Stücke verbinden volkstümliche Tanzrhythmen mit der kunstvollen musikalischen Gestaltung des romantischen Kunstliedes. Brahms schrieb sie für Singstimmen und Klavier zu vier Händen und schuf damit eine Folge kurzer musikalischer Miniaturen über Liebe, Sehnsucht und menschliche Beziehungen.

Neben Thomas Adès wirken der Pianist Kirill Gerstein und die Mezzosopranistin Katalin Károlyi mit. Der Chor des Bayerischen Rundfunks und Mitglieder des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks ergänzen die Besetzung. So entsteht ein Programm, das historische und zeitgenössische Liedtraditionen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und zugleich eine seltene Gelegenheit bietet, Thomas Adès als Komponisten und Interpreten zu erleben.
19. Februar 2027

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