Brad Mehldau braucht keine Band, um musikalische Geschichten zu erzählen. Bei seinem ersten Soloauftritt in der Alten Oper Frankfurt gehört die Bühne ganz dem amerikanischen Jazzpianisten und seiner außergewöhnlichen Kunst der Improvisation.

Seit den 1990er-Jahren prägt Mehldau die Entwicklung des modernen Jazzklaviers. Bekannt wurde er insbesondere mit seinem Trio, dessen Interpretationen eine bemerkenswerte Verbindung aus rhythmischer Freiheit, harmonischer Raffinesse und lyrischer Ausdruckskraft erkennen lassen. Doch seine musikalischen Interessen reichen weit über das traditionelle Jazzrepertoire hinaus. Die Werke von Johann Sebastian Bach, Johannes Brahms und Gabriel Fauré gehören ebenso zu seinen Inspirationsquellen wie die Musik der Beatles oder der britischen Rockband Radiohead.

Charakteristisch für Mehldaus Spiel ist seine Fähigkeit, mehrere musikalische Gedanken gleichzeitig zu entwickeln. Häufig führt er unterschiedliche melodische Linien unabhängig voneinander, sodass der Eindruck eines vielstimmigen musikalischen Gesprächs entsteht. Diese kontrapunktische Denkweise erinnert stellenweise an klassische Kompositionstechniken, erhält durch die rhythmische Beweglichkeit des Jazz jedoch eine ganz eigene Dynamik.

Im Solokonzert wird diese musikalische Handschrift besonders deutlich. Ohne die Unterstützung von Kontrabass und Schlagzeug entscheidet der Pianist allein über Tempo, Klangfarbe und dramaturgische Entwicklung. Ein vertrautes Lied kann zum Ausgangspunkt einer ausgedehnten Improvisation werden, während eine eigene Komposition plötzlich neue harmonische Wege einschlägt. Gerade das Unvorhersehbare gehört zu den faszinierenden Eigenschaften seiner Auftritte.

Mehldau arbeitete im Laufe seiner Karriere mit so unterschiedlichen Künstlerpersönlichkeiten wie Pat Metheny, Joshua Redman und der Sopranistin Renée Fleming zusammen. Diese Offenheit gegenüber verschiedenen musikalischen Ausdrucksformen spiegelt sich auch in seinen Soloabenden wider. Zwischen nachdenklicher Intimität, rhythmischer Experimentierfreude und virtuosen Ausbrüchen entstehen musikalische Spannungsbögen, die sich nicht an feste Genregrenzen halten.

Nachdem Brad Mehldau bereits dreimal mit seinem Trio in der Alten Oper zu Gast war, zeigt er nun erstmals in Frankfurt die konzentrierteste Form seiner Kunst: einen unmittelbaren Dialog zwischen einem Pianisten, seinem Instrument und dem Publikum.
27. Februar 2027

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