Manchmal braucht es keine große Reise, um neue Welten zu entdecken. Ein Konzert, eine Stimme, ein Klavier, ein guter Text – und schon öffnen sich Türen zu anderen Zeiten, Ländern und Lebensgeschichten. Genau diese Türen will das Bösendorfer Festival in seiner siebten Saison wieder öffnen. Von 14. Oktober 2026 bis 17. Februar 2027 wird Wiener Neustadts historische Kulisse der Kasematten zum Treffpunkt für Musik, Literatur und Humor – und damit zu einem Ort, an dem sich unterschiedlichste künstlerische Welten begegnen.

16 Abende laden dazu ein, Vertrautes neu zu hören und Unbekanntes zu entdecken. Die Reise beginnt mit spanischem Feuer: Das Miriam Luna Trio verbindet Flamenco-Wurzeln und virtuosen Gesang mit brasilianischen Klassikern und eigenen Kompositionen. Wenig später führt die Route ins Wien der 1960er bis 1980er Jahre, wenn Chris Lohner persönliche Erinnerungen mit Musik verbindet. Und auch die großen Themen des Lebens bekommen ihren Platz: Liebe, Sehnsucht, Leidenschaft und Eifersucht begegnen dem Publikum ebenso wie Hoffnung, Verlust und die Suche nach dem Glück.
Dabei ist das Klavier mehr als ein roter Faden. Es wird zum Reiseführer durch Zeiten und Stimmungen – von Hugo Wolfs „Italienischem Liederbuch“ über Schubert und Richard Strauss bis zu Mussorgsky, Rachmaninoff und Scriabin. Festivalintendant Florian Krumpöck selbst nimmt das Publikum mit „Bilder einer Ausstellung“ auf eine pianistische Reise ins Russland des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit Künstlerpersönlichkeiten wie Annette Dasch, Dietrich Henschel, Anett Fritsch oder Martin James Bartlett entstehen Abende, an denen Musik und Sprache miteinander ins Gespräch kommen.

Miriam Luna © Andreas Madl

Miriam Luna © Andreas Madl

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von Sprache und Musik. So treffen bei „Leas Wandlung in 14 Szenen“ Cornelius Obonya, Paul Gulda am Klavier und Trietta Wohlgenannt aufeinander. Erzählung, Reflexion und Klang verschmelzen zu einer Geschichte über Traum und Trugbild, Tragik und Glück, Verlust und Sehnsucht. Obonyas unverwechselbare Bühnenpräsenz macht diesen Abend zu einer jener Begegnungen, bei denen Literatur nicht einfach gelesen, sondern unmittelbar erlebbar wird.
Überhaupt ist das Festival hochkarätig besetzt. Annette Dasch widmet sich gemeinsam mit Florian Krumpöck den großen Liedkomponisten des deutschen Sprachraums, während Anett Fritsch und Sven-Eric Bechtolf Heinrich Heine eine musikalisch-literarische Hommage widmen. Karl Markovics wiederum bringt die scharf beobachtenden Texte von Karl Kraus auf die Bühne und wird dabei vom britischen Pianisten Martin James Bartlett begleitet.
Das Klavier bleibt dabei ein roter Faden durch die Saison. Von Hugo Wolfs „Italienischem Liederbuch“ über Schubert und Richard Strauss bis zu Mussorgsky, Rachmaninoff und Scriabin führt die musikalische Reise. Festivalintendant Florian Krumpöck selbst nimmt das Publikum mit „Bilder einer Ausstellung“ ins Russland des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts und verbindet dabei musikalische Geschichte mit seiner eigenen künstlerischen Biografie.

Cornelius Obonya © Ernst Kainerstorfer

Cornelius Obonya © Ernst Kainerstorfer

Und dann wäre da noch jene besondere Wiener Kunst, das Leben mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Stefan Jürgens widmet sich den großen und kleinen Tollheiten der Liebe, Gregor Seberg und Robert Kolar lassen gemeinsam mit Tommy Hojsa den beißenden Humor Helmut Qualtingers wieder aufleben. Robert Meyer und Helmut Stippich tauchen in die Welt der Nestroy-Couplets ein, während Wolfram Berger mit Texten von Nestroy, H. C. Artmann, Christine Nöstlinger und anderen eine literarische „Melange“ serviert.
Zwischen all diesen Begegnungen bleibt Raum für handgemachte Musik: Die Hans Theessink Band spannt den Bogen von Blues und Rhythm & Blues über Folk und Roots Rock bis Gospel. Andrea Eckert erinnert an Lotte Lenya, bevor Simone Kopmajer mit ihrem Quartett und „HOPE“ zwischen Jazzstandards, Eigenkompositionen und Popklassikern den Schlusspunkt setzt.

Karl Markovics © Bernd Alfanz

Karl Markovics © Bernd Alfanz

So entsteht über vier Monate hinweg kein Festival, das sich auf ein Genre festlegen lässt, sondern ein vielstimmiges Panorama. Musik trifft Literatur, Geschichte begegnet Gegenwart, Humor steht neben großer Emotionalität. Und über allem steht ein Instrument, das wie kaum ein anderes für die österreichische Klangtradition steht: der Bösendorfer.
Die Kasematten werden damit erneut zu einem Ort der Begegnung – für große Namen, besondere Geschichten und jene magischen Momente, in denen aus einem Abend ein bleibendes Erlebnis wird. Das Bösendorfer Festival lädt ein, sich treiben zu lassen: durch Musik und Literatur, durch Wien und die Welt, durch Vergangenheit und Gegenwart. Eine kulturelle Reise, die direkt vor der eigenen Haustür beginnt.
14. Oktober 2026 bis 17. Februar 2027
https://boesendorfer-wn.at

Anett Fritsch © Katerina Kepka

Anett Fritsch © Katerina Kepka