Mit Stephen Olivers „Mario und der Zauberer“ bringt das Mecklenburgische Staatstheater im November 2026 eine selten gespielte Kammeroper nach Thomas Manns gleichnamiger Novelle auf die Bühne. Aus der zunächst sommerlichen Atmosphäre eines italienischen Ferienortes entwickelt sich ein beklemmendes Psychodrama über Manipulation, Verführung und die Macht eines Einzelnen über eine Menschenmenge.

Im italienischen Küstenort Torre di Venere herrscht Hochsaison. Unter den Urlaubenden befindet sich auch eine deutsche Witwe mit ihrer zehnjährigen Tochter. Doch die Atmosphäre des vermeintlichen Ferienparadieses ist angespannt. Als die Mutter ihrer Tochter erlaubt, kurz den Badeanzug auszuziehen, um ihn vom Sand zu reinigen, gerät sie mit den Einheimischen in Konflikt und wird vom Bürgermeister mit einer Geldstrafe belegt.

Am Abend steht die Vorstellung des geheimnisvollen Zauberkünstlers Cipolla bevor. Seine Spezialität ist die Hypnose. Er bringt Menschen aus dem Publikum dazu, Dinge zu tun, die sie eigentlich nicht tun wollen. Was zunächst wie Unterhaltung erscheint, entwickelt sich zunehmend zu einer Demonstration von Macht und Manipulation.
Cipolla versteht es, sein Publikum zu provozieren und gleichzeitig in seinen Bann zu ziehen. Aggressionen brechen hervor und die Grenze zwischen freiwilliger Teilnahme und Fremdbestimmung beginnt immer stärker zu verschwimmen. Schließlich gerät auch der junge Kellner Mario in das Zentrum des Geschehens.

Thomas Mann veröffentlichte seine Novelle „Mario und der Zauberer“ 1930. Ausgangspunkt waren Erfahrungen während eines Familienurlaubs im Italien der 1920er-Jahre, als sich Benito Mussolini bereits zum faschistischen Diktator aufgeschwungen hatte. Die Geschichte des manipulativen Hypnotiseurs wurde damit zu einer eindringlichen Auseinandersetzung mit autoritärer Herrschaft und der Verführbarkeit einer Gesellschaft.

Der britische Komponist Stephen Oliver schuf 1988 seine Opernfassung des Stoffes und setzte dabei eigene Akzente. Aus der vierköpfigen Urlauberfamilie der literarischen Vorlage wird eine allein reisende Witwe mit ihrer Tochter. Dadurch verstärkt sich das Gefühl von Bedrohung und Verlorenheit in einer zunehmend feindseligen Umgebung.

Musikalisch zeichnet Oliver eine atmosphärisch dichte Klangwelt, in der die sommerliche Hitze des italienischen Badeortes mit der immer stärker spürbaren politischen und gesellschaftlichen Spannung verschmilzt. Aus dem scheinbar harmlosen Urlaubsabend entwickelt sich so ein beklemmendes Experiment über Macht, Manipulation und den Verlust individueller Selbstbestimmung.

Am Mecklenburgischen Staatstheater ist „Mario und der Zauberer“ in der M*Halle zu erleben. Die Produktion verbindet Thomas Manns beinahe hundert Jahre alte Erzählung mit einer musikalischen Perspektive, deren Fragen nach gesellschaftlicher Verführung und autoritärer Macht bis heute nichts von ihrer Brisanz verloren haben.
Premiere 20. November 2026
weitere Aufführungen: 28. November, 9., 10., 15., 16. und 20. Dezember 2026 sowie 9., 17. und 24. Januar 2027

www.mecklenburgisches-staatstheater.de