Wut ist eine Emotion, die jeder kennt – und die dennoch nicht jeder zeigen darf. Besonders Frauen begegnen gesellschaftlichen Erwartungen, die verlangen, Ärger und Widerstand lieber zurückzuhalten. Genau diesen Widerspruch macht die Zürcher Künstlerin Sonja Rieser in ihrer Ausstellung „WUT” zum Thema. Vom 15. November 2026 bis 17. Januar 2027 ist ihre Arbeit im open space des open art museum in St. Gallen zu sehen.

Mit Humor, Provokation und einer guten Portion Selbstironie hinterfragt Rieser den gesellschaftlichen Umgang mit einer oft unerwünschten Emotion. Ihre künstlerische Sprache bewegt sich zwischen Malerei, Illustration und Objektkunst. Intensive Farben, eigenwillige Bildwelten und überraschende Materialkombinationen prägen ihre Arbeiten. Dabei treffen Verletzlichkeit und Selbstbehauptung, zarte Stoffe und kraftvolle Botschaften aufeinander.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht „Zornröschen”: eine übergrosse gehäkelte Puppe, die weibliche Wut auf ebenso charmante wie unübersehbare Weise verkörpert. Selbstbewusst setzt sie sich über gesellschaftliche Anstandsregeln hinweg und wird zum Sinnbild einer Haltung, die sich nicht länger kleinmachen lässt. Auch die weiteren Arbeiten spielen mit vertrauten Rollenbildern und Erwartungen. Porträts junger Frauen erzählen von Trotz, Widerstand und dem Wunsch nach Selbstbestimmung. Zarte Damenblusen, auf denen Wutausbrüche aufgestickt sind, verwandeln vermeintlich brave Kleidungsstücke in ungewöhnliche Statements. Ein Vorhang aus abgelegten Kleidern wird zum Protestbanner und macht sichtbar, wie viel Kraft in scheinbar alltäglichen Dingen stecken kann.
Die Ausstellung passt hervorragend zum Selbstverständnis des open art museum, das Outsider Art, Art Brut und zeitgenössische künstlerische Positionen jenseits etablierter Kunstsysteme präsentiert. Nach einer Umbauphase öffnet das Museum am 15. November wieder seine Türen und lädt mit insgesamt drei neuen Ausstellungen zu spannenden künstlerischen Entdeckungen ein.
„WUT” ist dabei weit mehr als eine Auseinandersetzung mit einem starken Gefühl. Die Ausstellung lädt dazu ein, eigene Grenzen und gesellschaftliche Zuschreibungen zu hinterfragen. Denn Wut muss nicht zerstören. Sie kann auf Ungerechtigkeiten aufmerksam machen, Veränderung anstossen und Menschen dazu ermutigen, für sich selbst einzustehen.
15. November 2026 bis 17. Januar 2027, Eintritt frei!
https://openartmuseum.ch

Sonja Rieser, Erkenntnis oder der Fisch stinkt vom Kopf her, 2025, Öl auf Leinwand © Sonja Rieser

Sonja Rieser, Erkenntnis oder der Fisch stinkt vom Kopf her, 2025, Öl auf Leinwand © Sonja Rieser