Vom 1. bis 8. November 2026 widmen sich die Mendelssohn-Festtage Leipzig dem musikalischen Erbe Felix Mendelssohn Bartholdys und der jüdischen Kultur in Sachsen. Zwischen großen Konzerten, vergessenen Biografien und wiederentdeckter Musik wird Leipzig zum Ort einer besonderen Begegnung von Musik, Geschichte und Erinnerung.
Es beginnt mit einem Stück, das fast jeder kennt – und dessen Schöpfer vielen dennoch weniger vertraut ist: dem „Hochzeitsmarsch“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Bei den Mendelssohn-Festtagen Leipzig 2026 wird das berühmte Werk neu gehört. Jörg Widmann hat Mendelssohns Musik paraphrasiert und eröffnet damit am 1. November das Festival. Zugleich wird ihm der Internationale Mendelssohn-Preis Leipzig in der Kategorie „Musik“ verliehen. In der Kategorie „Europa“ geht die Auszeichnung an die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Schon der Auftakt verweist auf das zentrale Thema der 20. Mendelssohn-Festtage: Wie erinnern wir Musik – und wie verändert sich unser Blick auf einen Künstler, wenn wir seine Geschichte aus heutiger Perspektive betrachten?
Mendelssohn war einer der bedeutendsten Musiker des 19. Jahrhunderts. Als Komponist, Pianist und Dirigent prägte er das Leipziger Musikleben nachhaltig. Von 1835 bis 1847 war er Gewandhauskapellmeister und machte Leipzig zu einem internationalen Zentrum der Musik. Gleichzeitig war seine Biografie von jüdischer Herkunft und christlicher Prägung bestimmt. Die Nationalsozialisten machten seine jüdische Herkunft zum Anlass, sein Andenken aus dem deutschen Musikleben zu verdrängen. Am 9. November 1936 wurde sein Leipziger Denkmal abgerissen.

Yulianna Avdeeva © C. Schneider
2026 jährt sich dieser Akt der Auslöschung zum 90. Mal. Zugleich steht Sachsen im Zeichen des „TACHELES – Jahr der jüdischen Kultur“. Die Festtage greifen diese Verbindung auf und stellen Mendelssohns Musik Werken und Biografien anderer jüdischer Komponistinnen und Komponisten gegenüber. Władysław Szpilman, Mieczysław Weinberg, Hans Gál und Lera Auerbach werden Teil eines musikalischen Dialogs, der unterschiedliche Lebenswege und historische Erfahrungen miteinander verbindet.
Zu den Höhepunkten zählt das Konzert mit Yulianna Avdeeva und Vadim Gluzman, die Mendelssohn unter anderem Werken von Chopin, Szpilman, Auerbach und Valentin Silvestrov gegenüberstellen. Das Quatuor Danel verbindet Mendelssohn mit Weinberg und Schumann. Und auch Mendelssohns Schwester Fanny Hensel erhält einen eigenen Raum. Eine musikalische Lesung mit Thomas E. Bauer, Ulrich Matthes und Elena Bashkirova erinnert an ihre eigenständige kompositorische Bedeutung.

Sinfonieorchester der Hochschule für Musik und Theater Leipzig © Gert Mothes
Besonders spannend wird es bei Mendelssohns sechster Sinfonie. Von dem Werk sind lediglich die ersten beiden Sätze in Skizzen überliefert. Der Komponist Luukas Hiltunen hat das Fragment ergänzt. Das Gewandhausorchester bringt diese Fassung unter Andris Nelsons zur deutschen Erstaufführung. Vergangenheit und Gegenwart begegnen sich hier unmittelbar: Ein unvollendetes Werk wird durch die Vorstellungskraft eines heutigen Komponisten weitergedacht.
Auch außerhalb des Konzertsaals wird Mendelssohns Erbe lebendig. Die Oper Leipzig präsentiert eine neue Ballettproduktion von Juliano Nunes zu „Ein Sommernachtstraum“. Führungen führen auf Mendelssohns Spuren durch die Stadt, Vorträge widmen sich der Geschichte seines Denkmals.
So werden die Mendelssohn-Festtage 2026 zu mehr als einer Hommage an einen großen Komponisten. Sie erzählen von Musik und Erinnerung, von Auslöschung und Wiederentdeckung. Das rekonstruierte Mendelssohn-Denkmal in Leipzig steht dabei sinnbildlich für einen Prozess, der bis heute nachwirkt: Erinnerung kann verloren gehen – aber sie kann auch zurückkehren.
1. bis 8. November 2026
www.gewandhausorchester.de

Augustin Hadelich © Suxiao Yang


