Im Flandernbunker Kiel zeigt die Kunsthalle zu Kiel mit „Repeat After Me II“ eine eindringliche Videoinstallation der Künstlergruppe Open Group, die Kriegserfahrung in eine verstörend unmittelbare Klang- und Raumerfahrung übersetzt.
Die Zweikanal-Videoinstallation „Repeat After Me II“ der ukrainischen Künstlergruppe Open Group (Yuriy Biley, Pavlo Kovach, Anton Varga) entstand im Kontext des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und wurde erstmals im Polnischen Pavillon der Biennale di Venezia 2024 präsentiert. In den Filmen aus den Jahren 2022 und 2024 imitieren zivile Zeugen Kriegsgeräusche – Drohnen, Sirenen, Raketen oder Panzer – in einem Setting, das an Karaoke erinnert. Aus Erinnerung nachgeahmt, verdichten sich diese Laute zu einer beklemmenden Klangkulisse, die zwischen Distanz und unmittelbarer Betroffenheit oszilliert.
Das installierte Karaoke-Format erweitert die Arbeit um eine aktive Dimension: Besucher werden selbst Teil des Settings und potenziell zu Mitwirkenden. Dadurch verschiebt sich die Wahrnehmung vom passiven Zuhören hin zu einem bewussten, körperlich erfahrbaren Prozess des Hörens und Erinnerns.
Die Präsentation im Flandernbunker verleiht der Installation eine zusätzliche historische und räumliche Tiefe. Der im Zweiten Weltkrieg errichtete Bunker, heute ein Erinnerungsort, steht als architektonisches Zeugnis für Gewalt, Zwang und militärische Infrastruktur. In dieser Umgebung verliert das zunächst vertraut wirkende Karaoke-Setting seine Leichtigkeit und wird zu einem irritierenden Gegenbild – zwischen Spiel und existenzieller Realität.
So entsteht ein vielschichtiger Resonanzraum, in dem individuelle Erinnerungen, historische Orte und gegenwärtige Konflikte miteinander verschränkt werden. „Repeat After Me II“ gibt den Stimmen der Betroffenen Raum und macht zugleich die eigene Position als Zuhörender spürbar – zwischen Empathie, Distanz und Ohnmacht.
25. April bis 20. September 2026
















