Vom barocken Meisterwerk bis zu Tango, Pop und Jazzgefühl: Die Bachtage Rostock feiern Johann Sebastian Bach nicht als Denkmal, sondern als lebendige Inspirationsquelle. Vom 9. bis 11. Oktober 2026 zeigt das Festival, wie weit Bachs musikalische Spuren reichen können.
Seit 2020 widmen sich die Bachtage Rostock an einem verlängerten Wochenende dem vielseitigen Schaffen Johann Sebastian Bachs. Was dabei entsteht, ist weit mehr als eine Folge von Konzerten mit Werken des großen Thomaskantors. Das Festival fragt vielmehr, was von Bach geblieben ist – und was entsteht, wenn seine Musik auf andere Epochen, Stile und Klangwelten trifft.
Zum Auftakt in der Rostocker Nikolaikirche steht Bach zunächst ganz für sich: Das Freiburger Barockorchester präsentiert sämtliche sechs Brandenburgischen Konzerte. Kaum ein anderer Werkzyklus zeigt so unmittelbar Bachs Lust an Klangfarben, Virtuosität und musikalischem Dialog. Trompeten, Holzbläser und Streicher treten in wechselnden Besetzungen miteinander in Beziehung und lassen die Konzerte als sechs ganz eigene Klanguniversen erscheinen.

Johanna Staemmler © Johanna Staemmler
Wie nachhaltig Bach die Musikgeschichte geprägt hat, macht der Pianist Matthias Kirschnereit in seinem Programm „Bach und die Folgen“ hörbar. Neben Werken Johann Sebastian Bachs erklingen Kompositionen von Carl Philipp Emanuel Bach, Mozart, Mendelssohn, Beethoven, Schumann, Chopin und Bruckner. Dabei wird deutlich, dass Bach nicht nur ein Komponist der Vergangenheit war. Sein kontrapunktisches Denken, seine formale Klarheit und seine musikalische Sprache wurden von nachfolgenden Generationen aufgegriffen, weiterentwickelt und in neue Ausdrucksformen überführt.
Besonders überraschend wird dieser Dialog bei „BACH trifft Tango“. Violinistin Johanna Staemmler und Pianist Martin Klett verbinden Bach mit Astor Piazzolla und stellen ihm zudem Werke von François Couperin, Igor Strawinsky und Sofia Gubaidulina gegenüber. Barocke Ordnung trifft auf Tango Nuevo, polyphone Strukturen auf rhythmische Leidenschaft. Die Verbindung mag zunächst ungewöhnlich erscheinen – doch gerade in der präzisen Architektur und der starken rhythmischen Energie zeigen sich überraschende Gemeinsamkeiten.
Auch die Orgel, Bachs vielleicht unmittelbarstes Instrument, bekommt ihren großen Auftritt. Der Leipziger Thomasorganist Johannes Lang gestaltet eine Orgelmatinee mit Werken Bachs und bringt die Schuke-Orgel der Rostocker Universitätskirche zum Klingen. Zwischen Präludien, Fugen und Choralbearbeitungen wird dabei jene Verbindung von technischer Virtuosität und geistiger Tiefe erfahrbar, die Bachs Orgelmusik bis heute einzigartig macht.

Asya Fateyeva_ © Marco Borggreve
Und dann wird getanzt: Mit „Dancing Queen“ wagt die lautten compagney BERLIN gemeinsam mit der Saxophonistin Asya Fateyeva einen besonders ungewöhnlichen Brückenschlag. Jean-Philippe Rameau trifft auf ABBA – gespielt auf historischen Instrumenten, bearbeitet, miteinander verschmolzen und neu gedacht. Barocke Tanzmusik und schwedischer Pop begegnen sich dabei mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit.
Vielleicht liegt genau darin die besondere Idee der Bachtage Rostock: Bach muss nicht immer Bach bleiben. Seine Musik darf weiterwandern, sich verändern, andere Rhythmen aufnehmen und neue Verbindungen eingehen. Zwischen Leipzig und Buenos Aires, zwischen Kirchenorgel und Saxophon, zwischen Rameau und ABBA entsteht so ein Festival, das den großen Komponisten nicht museal betrachtet, sondern seine Musik als offenen Dialog versteht.
9. bis 11. Oktober 2026
www.bachtage-rostock.de

Johannes Lang © Rondeau Productions






