Ein Jahrhundert, zwei Ausstellungen und eine Sammlung voller Geschichten: Zum 100. Geburtstag blickt das Landesmuseum Burgenland zurück auf seine Anfänge, seine prägenden Persönlichkeiten und die Schätze, die es über Jahrzehnte zusammengetragen hat. Ab 3. Oktober 2026 wird in Eisenstadt sichtbar, wie eng Museumsgeschichte und Landesgeschichte miteinander verbunden sind.
Als das Burgenland 1921 zum selbstständigen Bundesland wurde, stellte sich auch die Frage nach einer eigenen landeskundlichen Sammlung. Einer der wichtigsten Wegbereiter war der Eisenstädter Weinhändler, Sammler und Mäzen Sándor Wolf. Er stellte dem jungen Museum das Leinner-Haus zur Verfügung, wo am 14. September 1926 das Burgenländische Landesmuseum eröffnet wurde. Gesammelt wurde von Beginn an, was die Geschichte, Kultur und Natur des Landes erzählt – von archäologischen Funden und Volkskunde bis zu Geologie und Biologie.
Ein Jahrhundert später kehrt das Museum für seine Jubiläumspräsentation an diesen ersten Standort zurück. Im Leinner-Haus erzählt die Sonderausstellung „Das Landesmuseum und seine Sammlungen“ von der unglaublichen Vielfalt dessen, was in 100 Jahren gesammelt, bewahrt und erforscht wurde. Statt einer chronologischen Museumsgeschichte stehen dabei die Objekte selbst im Mittelpunkt. Sie erzählen von vergangenen Zeiten, aber ebenso von der Entwicklung wissenschaftlicher Methoden und vom Wandel dessen, was ein Museum sammelt und wie es Wissen vermittelt.

„Das Landesmuseum und seine Sammlungen“ im Leinner-Haus © KBB
Dabei trifft Urgeschichte auf Kunst, Naturwissenschaft auf Kulturgeschichte. Zu den besonderen Exponaten zählt das vollständige Skelett eines 1929 in Winden gefundenen Höhlenbären. Ein Mastodon-Stoßzahn erinnert an längst vergangene Tierwelten, archäologische Fundstücke führen weit zurück in die Geschichte der Region. Und zwischen all diesen Zeugnissen findet sich auch ein ganz anderes Objekt: der Tanzschuh der berühmten Tänzerin Fanny Elssler. Gerade diese ungewöhnliche Mischung macht sichtbar, was ein regionales Universalmuseum ausmacht – es bewahrt nicht nur die großen historischen Ereignisse, sondern auch Spuren des Alltags, der Kultur und der Natur.

„Das Landesmuseum und das Judentum“ © KBB
Eine zweite Jubiläumsausstellung führt in ein besonders wichtiges Kapitel der Museumsgeschichte: „Das Landesmuseum und das Judentum“ im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt widmet sich den jüdischen Persönlichkeiten, die an der Gründung und Entwicklung des Landesmuseums maßgeblich beteiligt waren.
Im Zentrum steht erneut Sándor Wolf. Seine Sammelleidenschaft, sein wissenschaftliches Interesse und sein Engagement für die Landeskunde prägten die frühen Jahre des Museums entscheidend. Gemeinsam mit drei weiteren Persönlichkeiten – Karl Haulaunbrenner, Alphons Barb und Michael Ferdinand Bothar – steht er für eine Generation, die wesentlich dazu beitrug, die landeskundliche Forschung im jungen Burgenland aufzubauen.
Die Sonderausstellung präsentiert jedoch nicht nur eine Erfolgsgeschichte. Sie zeigt auch die dramatischen Brüche, die das Jahr 1938 mit sich brachte. Verfolgung, Enteignung und Flucht zerstörten jüdisches Leben und hinterließen auch in der Geschichte des Landesmuseums tiefe Spuren. Sándor Wolf musste das Land verlassen, seine Sammlung wurde auseinandergerissen. Originalobjekte, Dokumente und biografische Zeugnisse machen diese Geschichte nachvollziehbar und zeigen zugleich, wie nach 1945 mit den geraubten Kulturgütern umgegangen wurde und welche Rolle die spätere Restitution spielte.
So erzählen die beiden Ausstellungen auf unterschiedliche Weise von 100 Jahren Landesmuseum: Die eine richtet den Blick auf die Objekte und Sammlungen, die andere auf die Menschen und ihre Geschichten. Gemeinsam machen sie deutlich, dass ein Museum weit mehr ist als ein Ort, an dem Dinge aufbewahrt werden. Es ist ein Gedächtnis des Landes – und ein Ort, an dem sich Geschichte immer wieder neu betrachten, hinterfragen und entdecken lässt.
„Das Landesmuseum und seine Sammlungen“
„Das Landesmuseum und das Judentum“
3. Oktober 2026 bis 26. September 2027
https://landesmuseum-burgenland.at






