Was erzählen Blumen, wenn wir ihnen wirklich zuhören? Mit „Bloom up! Die Sprache der Blumen“ laden die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden und das Badisches Landesmuseum Karlsruhe zu einer Ausstellung, die weit über das Schöne hinausgeht. Es ist ein Parcours durch 2.500 Jahre Kulturgeschichte – sinnlich, vielschichtig und überraschend aktuell.

Blumen sind mehr als dekorative Begleiter. Sie stehen für Liebe und Vergänglichkeit, für Trost und Aufbruch, für Protest und Erinnerung. Ob als leise Geste im Alltag oder als starkes Symbol in der Kunst: Ihre Bedeutung wandelt sich ständig. Genau hier setzt „Bloom up!“ an – und macht die Blume zum Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen und persönlicher Empfindungen.
Die Ausstellung entfaltet sich als dialogischer Rundgang zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Historische Objekte treffen auf zeitgenössische Positionen, antike Darstellungen auf künstlerische Interventionen von heute. Dabei entsteht ein dichtes Geflecht aus Bedeutungen: Blumen als Trägerinnen von Geschichten, als Codes kultureller Verständigung, als Projektionsflächen für Sehnsucht und Widerstand. Was einst religiös aufgeladen war, kann heute politisch gelesen werden – und umgekehrt.

Wirketeppich, der Pilger im Garten © ARTIS/ Uli Deck/ Badisches Landesmuseum

Wirketeppich, der Pilger im Garten © ARTIS/ Uli Deck/ Badisches Landesmuseum

Besonders spannend ist der Perspektivwechsel, den die Ausstellung immer wieder einfordert. Blumen erscheinen nicht nur als Motiv, sondern als Medium. Sie kommunizieren – leise, aber eindringlich. In Zeiten globaler Krisen gewinnen sie neue Dringlichkeit: als Zeichen der Hoffnung, als fragile Erinnerung an Natur und Vergänglichkeit, aber auch als poetische Form des Protests.
Zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler wie Ketuta Alexi-Meskhishvili, Petrit Halilaj und Álvaro Urbano oder Taryn Simon erweitern diesen Diskurs mit eigenständigen Bildsprachen. Ihre Arbeiten greifen florale Motive auf und übersetzen sie in Fragen nach Identität, Erinnerung und gesellschaftlicher Verantwortung. Auch Positionen wie Jonas Mekas oder Sissel Tolaas öffnen unerwartete Zugänge – mal poetisch, mal experimentell.
„Bloom up!“ ist damit mehr als eine Ausstellung: Sie ist eine Einladung, genauer hinzusehen. Zwischen zarten Blüten und starken Botschaften entfaltet sich ein vielschichtiger Erfahrungsraum, der zeigt, wie eng Natur, Kunst und menschliche Kultur miteinander verwoben sind. Wer sich darauf einlässt, wird feststellen: Blumen sprechen – und sie haben erstaunlich viel zu sagen.
13. Juni 2026 bis 10. Januar 2027
www.kunsthalle-baden-baden.de

Belia Brückner, Hard to say I’m sorry, fortlaufende Serie, Ausstellungsansicht © Dorothea Dittrich, VG Bild-Kunst 2024

Belia Brückner, Hard to say I’m sorry, fortlaufende Serie, Ausstellungsansicht © Dorothea Dittrich, VG Bild-Kunst 2024