Mit einer umfangreichen Ausstellung widmet sich das WIENER AKTIONISMUS MUSEUM ab September 2026 einem der umstrittensten Künstler Österreichs. Mehr als 150 Werke Otto Muehls zeichnen seine künstlerische Entwicklung nach – und stellen zugleich die Frage, wie sich bedeutende Kunst und schweres persönliches Fehlverhalten miteinander denken lassen.

Kaum ein Künstler polarisiert bis heute so sehr wie Otto Muehl. Als Mitbegründer des Wiener Aktionismus prägte er in den 1960er Jahren eine Kunstrichtung, die mit radikalen Aktionen, provokativen Bildern und der bewussten Überschreitung gesellschaftlicher Grenzen internationale Aufmerksamkeit erlangte. Zugleich ist sein Name untrennbar mit den schweren Straftaten verbunden, die zur Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und Minderjährigen führten. Zwischen künstlerischer Innovation und moralischem Abgrund bewegt sich daher auch die Ausstellung, die das WIENER AKTIONISMUS MUSEUM ab dem 10. September 2026 präsentiert. Über 150 Gemälde, Objekte, Filme und Druckgrafiken geben einen umfassenden Einblick in Muehls Werk. In sechs thematischen Kapiteln folgt die Schau seiner Entwicklung von den frühen 1960er Jahren bis zu seiner Verhaftung und Verurteilung im Jahr 1990.
Den Auftakt bilden die frühen Arbeiten, in denen Muehl die traditionelle Malerei zunehmend auflöste und das klassische Tafelbild hinterfragte. Es folgen Werke aus der Hochphase des Wiener Aktionismus, in denen Körper, Material und Performance zu den zentralen Ausdrucksmitteln wurden. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die großformatigen Politikerporträts, die Persönlichkeiten wie Ho Chi Minh, Konrad Adenauer, Charles de Gaulle, Mosche Dajan, Mao Tse-tung oder Prinz Charles zeigen und Muehls gesellschaftspolitische Auseinandersetzung dokumentieren.

Otto Muehl (1925 – 2013), Ohne Titel, 1983, Sammlung WIENER AKTIONISMUS MUSEUM, Foto: WIENER AKTIONISMUS MUSEUM / Manuel Carreon Lopez © Bildrecht, Wien 2026

Otto Muehl (1925 – 2013), Ohne Titel, 1983, Sammlung WIENER AKTIONISMUS MUSEUM, Foto: WIENER AKTIONISMUS MUSEUM / Manuel Carreon Lopez © Bildrecht, Wien 2026

Ein eigenes Kapitel widmet sich der Gründung der Kommune am Friedrichshof. Dabei werden ihre ideologischen und sozialtheoretischen Grundlagen ebenso beleuchtet wie ihr Scheitern infolge der strafrechtlichen Verurteilung Otto Muehls wegen sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und Minderjährigen. Die Ausstellung verschweigt diesen Teil seiner Biografie nicht, sondern macht ihn bewusst zum Bestandteil der Auseinandersetzung.
Auch Muehls spätere Schaffensphasen finden ihren Platz. Nach seiner Rückkehr zur Malerei in den 1980er Jahren setzte er sich intensiv mit dem Neo-Expressionismus auseinander. Seine späten Zeichnungszyklen hingegen zeigen eine überraschend ruhige Bildsprache, in der die Landschaft der Parndorfer Heide einer zunehmend instabilen Welt gegenübersteht – Werke zwischen Rückzug, Reflexion und existenzieller Unsicherheit.
Museumsdirektor Klaus Albrecht Schröder versteht die Ausstellung ausdrücklich nicht als Würdigung der Person, sondern als Einladung zur kritischen Auseinandersetzung. Sie soll Besucherinnen und Besuchern ermöglichen, sich ein eigenes Urteil über das Werk Otto Muehls zu bilden – im Spannungsfeld zwischen kunsthistorischer Bedeutung und den schwerwiegenden Verbrechen, die seine Biografie dauerhaft prägen.
Ab 10. September 2026
https://wieneraktionismus.at

Otto Muehl, Material Action No. 7: Umbilical Cord – Depiction of a Birth, May 16, 1964Muehl Apartment, Obere Augartenstraße 14a/29, 1020 Wien, mit Gertrude Eder s/w, Fotografie, Foto: Ludwig Hoffenreich, WIENER AKTIONISMUS MUSEUM Sammlung, Foto: WIENER AKTIONISMUS MUSEUM / Manuel Carreon Lopez © Bildrecht, Wien 2026

Otto Muehl, Materialaktion Nr 7: Nabelschnur – Darstellung einer Geburt, 16. Mai 1964, 1964, Wohnung Muehl, Obere Augartenstraße 14a/29, 1020 Wien, mit Gertrude Eder, s/w, Fotografie, Foto: Ludwig Hoffenreich, WIENER AKTIONISMUS MUSEUM Sammlung, Foto: WIENER AKTIONISMUS MUSEUM / Manuel Carreon Lopez © Bildrecht, Wien 2026