Kaum ein Schweizer Künstler hat die zeitgenössische Malerei so nachhaltig geprägt wie Franz Gertsch (1930–2022). Mit seinen monumentalen Gemälden und Holzschnitten schuf er Werke von beeindruckender Präzision, die längst internationale Kunstgeschichte geschrieben haben. Die Ausstellung „Franz Gertsch. Blow-Up (Part I)” im Kunstmuseum Bern widmet sich diesem aussergewöhnlichen Œuvre und lädt dazu ein, den Künstler aus einer neuen Perspektive zu entdecken.

Die grosse Retrospektive, kuratiert von Dr. Kathleen Bühler, spannt den Bogen von den frühen Arbeiten der 1950er-Jahre bis zu den letzten Werken aus dem Jahr 2021. Dabei geht es nicht nur um eine chronologische Rückschau, sondern um eine vielschichtige Auseinandersetzung mit den zentralen Themen, die Franz Gertsch über mehr als sechs Jahrzehnte beschäftigten.
Besonders eindrucksvoll ist die Vielfalt der ausgestellten Werke. Ikonische Gemälde der Jugend- und Musikszene der 1970er-Jahre stehen neben einfühlsamen Familienbildern und Porträts von Künstlerfreundinnen und Künstlerfreunden. Ebenso faszinierend sind die monumentalen Landschaften und Naturdarstellungen, in denen Gertsch die Schönheit des Alltäglichen mit beinahe meditativer Ruhe einfängt.

Franz Gertsch, Luciano I (Ausschnitt), 1976, Acryl auf ungrundierter Baumwolle, Privatbesitz

Franz Gertsch, Luciano I (Ausschnitt), 1976, Acryl auf ungrundierter Baumwolle, Privatbesitz

Seine Malerei bewegt sich stets zwischen fotografischer Genauigkeit und malerischer Interpretation. Aus der Nähe zerfallen die Bilder in feinste Farbstrukturen, während sie aus der Distanz eine verblüffende fotografische Klarheit entfalten. Dieses Wechselspiel von Detail und Gesamtwirkung macht den Besuch zu einem intensiven Seherlebnis und verdeutlicht, weshalb Franz Gertsch als einer der bedeutendsten Vertreter des Fotorealismus gilt.
Gleichzeitig eröffnet die Ausstellung neue Lesarten seines Werks. Das Verhältnis von Mensch und Natur, die Bedeutung der Fotografie als Ausgangspunkt der Malerei und Fragen nach Wahrnehmung und Wirklichkeit wirken heute aktueller denn je. In einer Zeit, die von digitalen Bildern, sozialen Medien und ökologischen Herausforderungen geprägt ist, erhalten Gertschs Arbeiten eine überraschende neue Dimension. Seine Werke entschleunigen den Blick und fordern dazu auf, sich auf das Wesentliche einzulassen.
Das Kunstmuseum Bern zeigt eindrucksvoll, dass Franz Gertsch weit mehr war als ein Meister fotorealistischer Malerei. Seine Werke verbinden technische Perfektion mit emotionaler Tiefe und laden dazu ein, genau hinzusehen – immer wieder aufs Neue. „Blow-Up (Part I)” ist damit weit mehr als eine Retrospektive: Sie ist eine Hommage an einen Künstler, dessen Schaffen bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat.
14. August 2026 bis 17. Januar 2027
www.kunstmuseumbern.ch

Ergänzt wird die Retrospektive durch „Franz Gertsch. Blow-Up (Part II)” im Museum Franz Gertsch in Burgdorf. Dort stehen ausgewählte Werkgruppen, bedeutende Modelle sowie zentrale Holzschnitte des Künstlers im Mittelpunkt und vertiefen den Blick auf einzelne Themen seines Schaffens.
19. September 2026 bis 29. Februar 2027
www.museum-franzgertsch.ch