Monumentale Edelstahlskulpturen verwandeln Raum, Architektur und Natur in ein faszinierendes Spiel der Reflexionen. Manchmal genügt ein Perspektivwechsel, um die Welt mit anderen Augen zu sehen. Der albanisch-italienische Bildhauer Helidon Xhixha macht genau diesen Moment zum Ausgangspunkt seiner Kunst. Seine spiegelnden Edelstahlskulpturen fangen Licht und Umgebung ein, verzerren vertraute Formen und geben sie in überraschenden Bildern zurück. Mit der Ausstellung „XHIXHA – Reflections in Mannheim“ präsentieren die Reiss-Engelhorn-Museen einen Künstler, dessen monumentale Werke die Grenzen zwischen Kunstwerk und Umgebung auf faszinierende Weise auflösen. Die Ausstellung findet anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Curt-Engelhorn-Stiftung statt.

Ein Dialog zwischen Material und Licht
Helidon Xhixha, 1970 im albanischen Durrës geboren, zählt zu den international renommierten Vertretern der monumentalen Skulptur. Nach seinem Studium an der Kunstakademie in Tirana setzte er seine Ausbildung an der Accademia di Belle Arti di Brera in Mailand fort. Dort entwickelte er jene unverwechselbare Formensprache, die technische Präzision mit einer außergewöhnlichen Sensibilität für Licht, Bewegung und Raum verbindet.
Sein bevorzugtes Material ist polierter Edelstahl. Was zunächst kühl und industriell erscheint, verwandelt sich unter seinen Händen in eine lebendige Oberfläche, die ihre Umgebung fortwährend neu interpretiert. Himmel, Gebäude, Bäume und Menschen spiegeln sich darin, werden gedehnt, gebrochen oder in fließende Formen überführt. Jede Veränderung des Standpunkts erzeugt ein anderes Bild. Das Kunstwerk bleibt dabei nicht statisch, sondern verändert sich mit dem Licht, der Umgebung und der Bewegung seiner Betrachterinnen und Betrachtern.

Unione di Luce, 2025 © Helidon Xhixha

Unione di Luce, 2025 © Helidon Xhixha

Die Wirklichkeit als bewegliches Bild
Xhixhas Skulpturen sind mehr als geometrische Formen aus Metall. Sie eröffnen Reflexionsräume, in denen Wahrnehmung selbst zum Thema wird. Was sehen wir tatsächlich? Wie verändert sich unsere Vorstellung von Raum, wenn vertraute Konturen plötzlich verschwimmen und sich die Umgebung in einer spiegelnden Oberfläche neu zusammensetzt?
Der Künstler spielt mit diesen Fragen, ohne eindeutige Antworten vorzugeben. Seine Arbeiten verbinden monumentale Präsenz mit einer beinahe poetischen Leichtigkeit. Trotz ihrer Größe scheinen sie mitunter in Bewegung zu geraten, als würden sie das Licht nicht bloß reflektieren, sondern formen und lenken. Die Umgebung wird zum Bestandteil der Skulptur – und das Publikum unweigerlich Teil des künstlerischen Geschehens.

Getto die Luce, 2025 © Helidon Xhixha

Getto die Luce, 2025 © Helidon Xhixha

Zwischen urbaner Architektur und fragiler Natur
Xhixhas Werke sind international im öffentlichen Raum, in Museen und privaten Sammlungen vertreten. Seine Installationen waren unter anderem in Mailand, Dubai, New York, Florenz und Lugano zu sehen. Besondere Aufmerksamkeit erlangte 2016 seine Installation „Iceberg“ im Rahmen der Biennale von Venedig. Die Arbeit setzte sich mit Umweltfragen, dem Klimawandel und der Verletzlichkeit natürlicher Lebensräume auseinander.
Auch darin zeigt sich eine wesentliche Dimension seines Schaffens: Die spiegelnde Oberfläche ist nicht nur ein ästhetisches Experiment, sondern eröffnet einen Dialog zwischen Kunst, Natur und gesellschaftlicher Verantwortung. Indem sie ihre Umgebung aufnehmen, machen die Skulpturen zugleich deren Schönheit und Verletzlichkeit sichtbar.
Mit „XHIXHA – Reflections in Mannheim“ erhalten Besucher:innen die Gelegenheit, diese besondere Verbindung aus Materialbeherrschung, räumlicher Wirkung und visueller Poesie zu erleben. Die Ausstellung lädt dazu ein, innezuhalten, den eigenen Standort zu verändern und die vertraute Welt neu zu betrachten. Denn bei Helidon Xhixha ist nichts endgültig festgelegt: Das Bild verändert sich mit jedem Blick – und mit ihm unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit.
15. November 2026 bis 7. März 2027
www.rem-mannheim.de

Spherical Light, 2026 © Helidon Xhixha

Spherical Light, 2026 © Helidon Xhixha