Das Diözesanmuseum Paderborn erkundet mit „PROPHEZEIUNGEN“ die Sehnsucht des Menschen, die Zeichen der Zeit zu verstehen. Seit jeher versucht der Mensch, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Orakel, Prophetinnen und Weissagungen versprachen Orientierung in unsicheren Zeiten – heute übernehmen Algorithmen und Künstliche Intelligenz immer häufiger diese Rolle. Die Ausstellung „PROPHEZEIUNGEN – Wer deutet die Zeichen der Zeit?“ im Diözesanmuseum Paderborn verbindet jahrhundertealte Zeugnisse mit zeitgenössischer Kunst und immersiven Medien zu einer ebenso sinnlichen wie nachdenklichen Reise durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Was erwartet mich? Wird die Welt friedlicher oder unsicherer? Welche Zeichen übersehen wir vielleicht gerade? Fragen wie diese begleiten die Menschheit seit Jahrtausenden. Die neue Ausstellung im Diözesanmuseum Paderborn greift diese universelle Sehnsucht nach Orientierung auf und macht sie zum Ausgangspunkt eines außergewöhnlichen Ausstellungserlebnisses.
Mit der Reihe CONNECT # versteht sich das Museum als Ort des Dialogs über gesellschaftlich relevante Themen. Für die dritte Ausgabe arbeitet das Haus mit dem storyLab kiU der Fachhochschule Dortmund zusammen, das neue Formen des digitalen Erzählens erforscht. Gemeinsam entsteht eine Ausstellung, die historische Kunstwerke nicht nur präsentiert, sondern sie mit modernen Medien, Klangräumen und immersiven Inszenierungen in einen lebendigen Austausch bringt.

Michael Triegel, Gottesauge (für Dürer), 2024, Eitempera und Öl auf MDF, Privatbesitz, Foto Galerie Schwind, Leipzig © VG Bild Kunst, Bonn 2026

Michael Triegel, Gottesauge (für Dürer), 2024, Eitempera und Öl auf MDF, Privatbesitz, Foto Galerie Schwind, Leipzig © VG Bild Kunst, Bonn 2026

Bereits der Eintritt eröffnet eine andere Welt. Eine schwebende Klangwolke aus Stimmen, Fragmenten und Wortfetzen empfängt die Besucherinnen und Besucher. Ist es das Echo des Orakels von Delphi? Sind es Erinnerungen, Visionen oder vielleicht die eigene innere Stimme? Die Grenzen zwischen Mythos, Geschichte und persönlicher Erfahrung beginnen zu verschwimmen.
Die Ausstellung spannt einen faszinierenden Bogen von der Spätantike über Mittelalter und Barock bis in die Gegenwart. Kostbare Handschriften, Skulpturen, Gemälde und historische Orakelstäbchen erzählen von alten Formen der Weissagung und der Hoffnung, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Die legendäre Kassandra begegnet den Besuchenden in einer eindrucksvollen Skulptur von Thomas Duttenhoefer, während Darstellungen der antiken Sibyllen zeigen, wie nachhaltig prophetische Bilder die europäische Kultur geprägt haben.
Diesen historischen Zeugnissen treten zeitgenössische Positionen gegenüber. Arbeiten von Michael Triegel, Christoph Brech, Helmut Kirchlechner und Claudia Brieske eröffnen neue Perspektiven auf Fragen nach Wahrheit, Zukunft und menschlicher Verantwortung. Unterstützt durch Virtual Reality, Projektionen und digitale Bildwelten entstehen Erfahrungsräume, in denen Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschmelzen. Gerade diese Verbindung macht den besonderen Reiz der Ausstellung aus: Sie erzählt nicht von abgeschlossenen Epochen, sondern zeigt, wie aktuell uralte Fragen geblieben sind.

Johannes der Täufer, 18.Jahrhundert, Holz farbig gefasst, Sammlung Wüstefeld, Diözesan museum Paderborn, Foto: Ansgar Hoffmann

Johannes der Täufer, 18.Jahrhundert, Holz farbig gefasst, Sammlung Wüstefeld, Diözesan museum Paderborn, Foto: Ansgar Hoffmann

Eine besondere Rolle spielt dabei das gesprochene Wort. Während Offenbarungen häufig schriftlich überliefert wurden, lebten Prophezeiungen von ihrer Stimme. Mit zahlreichen Hörstationen verleiht der Kabarettist und Sprachkünstler Jochen Malmsheimer den Weissagungen eine eindrucksvolle akustische Präsenz und macht Sprache selbst zum Kunstwerk.
„PROPHEZEIUNGEN“ ist damit weit mehr als eine klassische Ausstellung. Sie lädt dazu ein, den eigenen Blick auf die Welt zu hinterfragen und darüber nachzudenken, wie Menschen gestern und heute versuchen, den Zeichen ihrer Zeit Bedeutung zu geben. Zwischen historischen Kostbarkeiten, zeitgenössischer Kunst und innovativen Medien entsteht ein außergewöhnlicher Resonanzraum – poetisch, sinnlich und überraschend aktuell.
30. August 2026 bis 31. Januar 2027
www.dioezesanmuseum-paderborn.de