Was wäre, wenn die Welt plötzlich nach ganz anderen Regeln funktionieren würde? Wenn die Zeit sich verdreht, Größenverhältnisse verschwimmen und eine Grinsekatze einfach mitten in der Luft verschwindet? Seit Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ und „Alice hinter den Spiegeln“ ist genau diese Vorstellung ein Teil unserer kulturellen Fantasie. Nun öffnet sich das Wunderland auf der Bühne des Hamburg Ballett.

Mit „WUNDERLAND“ kreiert Alexei Ratmansky erstmals eine Uraufführung für das Hamburg Ballett. Der international gefeierte Choreograf nimmt sich jener Geschichten an, die Generationen von Leser:innen zwischen kindlichem Staunen und erwachsener Irritation begleitet haben. Alice folgt dem weißen Hasen, begegnet der rätselhaften Grinsekatze, der Raupe, Tweedledum und Tweedledee, dem verrückten Hutmacher und schließlich der gefürchteten Herzkönigin. Doch hinter all den fantastischen Figuren steckt mehr als ein märchenhaftes Abenteuer.
Denn Carrolls Wunderland ist auch ein Spiegel. Die vertrauten Regeln unserer Welt geraten darin aus dem Gleichgewicht, Sprache wird zu einem Spiel, Logik verwandelt sich in Unsinn und Identitäten können sich jederzeit verändern. Ist Alice in einem Traum gefangen? In einem Paralleluniversum? Oder vielleicht in den Tiefen ihres eigenen Unterbewusstseins?

Wunderland © David Szauder

Wunderland © David Szauder

Ratmansky begegnet dieser offenen Welt mit einer besonderen choreografischen Handschrift. Als einer der renommiertesten Ballettchoreografen seiner Generation verbindet er die Präzision und Tradition des klassischen Balletts mit einer zeitgenössischen Sensibilität. Zugleich gilt er als außergewöhnlicher Geschichtenerzähler – eine Qualität, die für Carrolls vielschichtige Fantasiewelt wie geschaffen scheint.
Seine künstlerische Arbeit bewegt sich dabei zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Neben zahlreichen neuen Choreografien ist Ratmansky auch für seine Rekonstruktionen bedeutender Ballette des 19. Jahrhunderts bekannt. Er kennt die Geschichte des klassischen Tanzes – und weiß zugleich, wie man sie in Bewegung versetzt.
In „WUNDERLAND“ trifft nun diese klassische Ballettwelt auf eine Realität, in der nichts so ist, wie es scheint. Die Bühne wird zum Ort des Staunens, der Verwandlung und vielleicht auch des Albtraums. Alice stolpert durch eine Welt, in der jede Begegnung neue Fragen aufwirft und jeder Schritt eine neue Richtung einschlagen kann.
Gerade darin liegt die zeitlose Faszination von Carrolls Geschichten: Wir erkennen in diesem absurden Universum unsere eigene Welt wieder – nur leicht verschoben, verdreht und mit einem Augenzwinkern betrachtet.
Alexei Ratmansky macht daraus ein tänzerisches Abenteuer für das Hamburg Ballett: klassisch und modern, verspielt und verstörend, vertraut und vollkommen neu.
30. Oktober bis 21. November 2026 und 20. März 2027
https://hamburgballett.die-hamburgische-staatsoper.de

Wunderland © David Szauder

Wunderland © David Szauder