Mit einem doppelten Fokus präsentiert sich der Art Room Würth Austria in Böheimkirchen im Jahr 2026 als Ort der Reflexion und Wiederbegegnung. Zwei Ausstellungen verbinden hier Vergangenheit und Gegenwart: die Wiederentdeckung der außergewöhnlichen Künstlerpersönlichkeit Isolde Maria Joham und das 25-jährige Bestehen eines Kunstortes, der längst zu einem kulturellen Fixpunkt über die Region geworden ist.

Centre Pompidou – Isolde Maria Joham. Sammlung Würth und Leihgaben
Im Zentrum der aktuellen Präsentation steht das Werk der österreichischen Künstlerin Isolde Maria Joham, deren Schaffen sich über fast sieben Jahrzehnte erstreckt und bis heute durch seine Eigenständigkeit beeindruckt. Ausgangspunkt ist ihr monumentales Gemälde Centre Pompidou (1981), das nicht nur als visuelles Leitmotiv dient, sondern auch als Sinnbild für den Kunstbetrieb selbst gelesen werden kann.
Vor der ikonischen Architektur des Centre Pompidou inszeniert Joham ein dynamisches Pferderennen – ein Bild, das Wettbewerb, Sehnsucht und künstlerischen Ehrgeiz verdichtet. In den 1980er-Jahren galt das Pariser Museum als Magnet für eine ganze Generation von Kunstschaffenden. Johams Werk greift diese Aufbruchsstimmung auf und übersetzt sie in eine kraftvolle Bildsprache zwischen Pop Art und Realismus. Die Ausstellung vereint Werke aus der Sammlung Würth mit Leihgaben aus dem Nachlass der Künstlerin und eröffnet einen konzentrierten Blick auf ihr vielschichtiges Œuvre: von frühen Glasarbeiten aus Murano bis zu großformatigen Gemälden, die durch überraschende Motivkombinationen und thematische Tiefe bestechen. Trotz ihrer künstlerischen Konsequenz wurde Joham lange unterschätzt – eine Tatsache, die erst in den letzten Jahren zunehmend korrigiert wird.
5. Mai 2026 bis 3. März 2027

„Centre Pompidou – Isolde Maria Joham. Sammlung Würth und Leihgaben” © Würth

„Centre Pompidou – Isolde Maria Joham. Sammlung Würth und Leihgaben” © Würth

25 Jahre Art Room Würth Austria
Parallel dazu richtet sich der Blick auf die Geschichte des Hauses selbst. Seit seiner Eröffnung 1999 hat sich der Art Room Würth Austria zu einem wichtigen Impulsgeber für Kunst und Kultur im westlichen Niederösterreich entwickelt. Untergebracht im architektonisch markanten Firmengebäude – entworfen vom Wiener Büro Ernst Huss – verbindet der Raum wirtschaftliche Präsenz mit kulturellem Engagement. Ein eigener Ausstellungsteil widmet sich diesem Vierteljahrhundert und lädt zu einer Zeitreise durch rund 100 Ausstellungen, Konzerte und künstlerische Projekte ein. Werke aus der Sammlung Würth treffen hier auf Erinnerungen an bedeutende Persönlichkeiten und Momente, die den Ort geprägt haben. Auch die monumentalen Mosaike von Christian Ludwig Attersee, die fest in die Architektur integriert sind, unterstreichen die enge Verbindung von Kunst und Raum. Die Geschichte des Art Room ist jedoch nicht nur von Kontinuität geprägt. Das Hochwasser im September 2024 stellte eine einschneidende Zäsur dar: Die Ausstellungsräume wurden schwer beschädigt, das Archiv weitgehend zerstört. Umso bemerkenswerter ist der Wiederaufbau, der 2026 zur Neueröffnung führte – ergänzt durch moderne Schutzmaßnahmen und digitale Rekonstruktionen der verlorenen Bestände.
5. Mai 2026 bis 3. März 2027

So vereint der Art Room Würth Austria in seinem Jubiläumsjahr zwei Perspektiven: die Würdigung einer lange unterschätzten Künstlerin und die Reflexion über die eigene Geschichte. Es ist ein Dialog zwischen Werk und Ort – und eine Einladung, Kunst als lebendigen Prozess von Erinnerung und Neubeginn zu begreifen.
www.wuerth.at