Mit Francesco Cavallis „La Calisto“ bringt die Staatsoper Unter den Linden eine frühe Barockoper auf die Bühne, die Mythologie, Erotik und Machtspiel zu einem schillernden Musiktheater zwischen Komik und Tragik verbindet.

Die Handlung führt in eine Welt nach der Zerstörung durch ein großes Feuer, in der Götter, Nymphen und mythologische Wesen von Begehren, Eifersucht und Verwandlung getrieben werden. Jupiter verliebt sich in die Nymphe Calisto und verführt sie in der Gestalt der Göttin Diana – obwohl sich Calisto dem Keuschheitsideal verschrieben hat. Als Wahrheit und Täuschung aufeinanderprallen, geraten die Beziehungen zwischen den Figuren zunehmend außer Kontrolle.

Auch Diana selbst entzieht sich den moralischen Regeln, denen sie eigentlich verpflichtet ist, während Eifersucht, Macht und Besitzansprüche die Handlung weiter vorantreiben. Cavallis Oper entfaltet daraus ein vielschichtiges Geflecht menschlicher Leidenschaften, das trotz seiner mythologischen Ebene überraschend gegenwärtig wirkt.

Das 1651 in Venedig uraufgeführte Werk hinterfragt dabei gesellschaftliche Ordnungsvorstellungen ebenso wie traditionelle Geschlechterrollen. Zwischen Verführung und Gewalt, Sehnsucht und Bestrafung stellt „La Calisto“ die Frage, wie frei die Figuren tatsächlich handeln können – und welche Konsequenzen ihre Wünsche nach sich ziehen.

Musikalisch verbindet Cavalli expressive Barockklänge mit großer erzählerischer Beweglichkeit. Unter der musikalischen Leitung der Lautenistin und Dirigentin Christina Pluhar entsteht gemeinsam mit Regisseur Stefan Herheim ein „kosmisches Zaubertheater“, das die Fantasie und Bildkraft der frühen Oper in den Mittelpunkt stellt.

So wird „La Calisto“ zu einem ebenso sinnlichen wie vieldeutigen Musiktheaterabend, der Mythos und Gegenwart miteinander verschränkt und die menschlichen Abgründe hinter göttlichen Geschichten sichtbar macht.
Premiere 16. September
weitere Aufführungen: 19., 21., 24., 26. und 28. September 2026

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