Was geschieht, wenn plötzlich alle mitlaufen – und niemand mehr widerspricht? Eugène Ionescos Klassiker „Die Nashörner“ zählt zu den bedeutendsten Werken des absurden Theaters und erzählt mit groteskem Humor von Konformität, Ideologie und dem Mut, gegen den Strom zu schwimmen.
In einer scheinbar gewöhnlichen Kleinstadt taucht eines Tages ein Nashorn auf. Zunächst wird das Ereignis als Kuriosität belächelt, doch schon bald häufen sich die Sichtungen. Nach und nach verwandeln sich immer mehr Menschen in die gewaltigen Tiere – Freunde, Kollegen und Nachbarn eingeschlossen. Was als Ausnahme beginnt, entwickelt sich zu einer Bewegung, die alles niederwalzt, was sich ihr entgegenstellt. Nur der unscheinbare Büroangestellte Bérenger beobachtet die Entwicklung mit wachsender Sorge.
Mit scharfem Witz und beunruhigender Konsequenz entwirft Ionesco eine Parabel über die Verführungskraft von Massenbewegungen und die Mechanismen totalitärer Systeme. Die sogenannte „Rhinozeritis“ breitet sich schleichend aus, bis Anpassung zur gesellschaftlichen Norm wird und Widerstand aussichtslos erscheint. Gerade darin liegt die anhaltende Aktualität des Stücks: Es stellt die Frage, wie individuelle Haltung bewahrt werden kann, wenn sich das Umfeld zunehmend radikalisiert.
Regisseurin Ulrike Arnold kehrt für diese Inszenierung ans Schauspielhaus Graz zurück und widmet sich dem Stück mit feinem Gespür für dessen Balance zwischen Komik und Bedrohung. So entsteht ein Theaterabend, der das Absurde in all seiner Wucht sichtbar macht – unterhaltsam, verstörend und erschreckend nah an der Wirklichkeit.
Premiere 16. Oktober
weitere Aufführungen: 21., 27. und 29. Oktober, 18., 20. und 21. November, 17. Dezember 2026, 14. Januar 2027






