Mit Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ eröffnet das Staatstheater Kassel im September 2026 seine Premierenserie im Musiktheater. In der Inszenierung von Florian Lutz und Marlene Pawlak wird die romantische Oper zum Ausgangspunkt einer Auseinandersetzung mit Geld, Konkurrenz und gesellschaftlichen Vorstellungen von Liebe – und bezieht dabei auch das Publikum im INTERIM unmittelbar in das Geschehen ein.
Im Mittelpunkt steht der Holländer, der rastlos über die Meere zieht. Sein Schicksal verdammt ihn dazu, immer weiterzureisen und Reichtümer anzuhäufen, ohne jemals Ruhe zu finden. Nur die bedingungslose Treue einer Frau könnte ihn von seinem Fluch erlösen.
Als der Geschäftsmann Daland auf den geheimnisvollen Fremden trifft, erkennt er schnell die finanziellen Möglichkeiten dieser Begegnung. Er verspricht dem Holländer seine Tochter Senta. Auch sie träumt von einer außergewöhnlichen Liebe und sucht nach einer Aufgabe, die ihrem Leben einen größeren Sinn verleihen könnte.
Doch Senta ist keineswegs nur Teil eines einfachen Handels zwischen zwei Männern. Die Vorstellungen des Holländers, Dalands und Sentas treffen aufeinander und offenbaren unterschiedliche Lebensentwürfe und Erwartungen. Hinzu kommt Erik, der Senta ebenfalls für sich beansprucht. Aus der romantischen Erlösungsgeschichte entwickelt sich damit zunehmend ein Konflikt um Besitz, Liebe und Selbstbestimmung.
Richard Wagner schuf „Der fliegende Holländer“ zu Beginn der 1840er-Jahre. Die 1843 in Dresden uraufgeführte Oper markiert einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu seinem späteren Musikdrama. Wiederkehrende musikalische Motive verbinden Figuren und Ideen miteinander, während das Orchester die stürmische und düstere Atmosphäre der Geschichte prägt.
Für die Kasseler Neuproduktion verwandeln Florian Lutz und Marlene Pawlak das INTERIM in einen kleinstädtischen Mikrokosmos. Der Fluch des Holländers wird dabei mit den Zwängen einer auf permanente Geldvermehrung ausgerichteten Gesellschaft verbunden. Gleichzeitig gerät auch das Ideal der bedingungslosen romantischen Liebe ins Wanken.
Die musikalische Leitung übernimmt Clemens Fieguth, der mit dieser Produktion seinen Einstand als neuer Erster Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor in Kassel gibt. Sebastian Hannak gestaltet die Bühne, die Kostüme stammen von Mechthild Feuerstein und das Video von Konrad Kästner.
So trifft Wagners romantische Oper im Kasseler INTERIM auf eine Gegenwart, in der nicht nur der Holländer rastlos nach Erlösung sucht – sondern auch die Vorstellungen von Erfolg, Besitz und Liebe selbst zur Diskussion stehen.
Premiere 19. September 2026
weitere Aufführungen: 24. September, 4., 9., 11. und 31. Oktober sowie 6., 15. und 29. November 2026

