Mit „The Handmaid’s Tale“ von Poul Ruders bringt das Theater Kiel im März 2027 eine der eindringlichsten zeitgenössischen Opern auf die Bühne. Nach Margaret Atwoods gleichnamigem Roman erzählt das Werk von einer Gesellschaft, in der religiöser Fundamentalismus und politische Unterdrückung sämtliche Bereiche des Lebens bestimmen. Die Geschichte über Macht, Kontrolle und den Widerstand gegen ein totalitäres System hat seit ihrer Entstehung nichts von ihrer gesellschaftlichen Brisanz verloren.

Schauplatz ist die Republik Gilead, ein autoritärer Staat, der nach einem fundamentalistischen Umsturz auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten entstanden ist. Frauen haben nahezu sämtliche Rechte verloren. Sie dürfen weder arbeiten noch Eigentum besitzen, weder lesen noch schreiben. Ihr Leben wird durch eine streng hierarchische Gesellschaftsordnung bestimmt, in der ihnen ausschließlich jene Aufgaben zugewiesen werden, die das Regime für sie vorgesehen hat.

Besonders grausam ist das Schicksal der sogenannten Dienstmägde. Aufgrund ihrer Fruchtbarkeit werden sie kinderlosen Familien der herrschenden Elite zugeteilt und gezwungen, für diese Nachwuchs zu gebären. Ihre bisherigen Identitäten werden ausgelöscht, ihre Namen durch Bezeichnungen ersetzt, die ihre Zugehörigkeit zu einem männlichen Haushaltsvorstand ausdrücken.

Im Mittelpunkt steht Offred, eine dieser Frauen, die versucht, unter den Bedingungen des totalitären Systems ihre Erinnerungen und ihre persönliche Identität zu bewahren. Während sie den strengen Regeln ihres neuen Lebens unterworfen ist, erinnert sie sich an ihre Familie, ihre frühere Freiheit und die Ereignisse, die zur Errichtung Gileads geführt haben. Ihr innerer Widerstand wird zu einem zentralen Bestandteil einer Geschichte, die von Überwachung, Anpassung und der Sehnsucht nach Selbstbestimmung erzählt.

Margaret Atwood veröffentlichte ihren dystopischen Roman 1985. Der dänische Komponist Poul Ruders schuf daraus gemeinsam mit dem Librettisten Paul Bentley eine Oper, die im Jahr 2000 in Kopenhagen uraufgeführt wurde. Die musikalische Umsetzung verbindet große orchestrale Spannungsbögen mit einer beklemmenden Atmosphäre und macht die psychologischen und gesellschaftlichen Konflikte der Vorlage unmittelbar erfahrbar.

Am Theater Kiel übernehmen Immo Karaman und Fabian Posca die künstlerische Gestaltung der Neuproduktion. Karaman zeichnet für Regie und Bühne verantwortlich, Posca für Kostüme und Choreografie. Die musikalische Leitung liegt bei Felix Pätzold und Chenglin Li, das Videodesign stammt von Philipp Contag-Lada. Dorothea Spilger ist als Offred zu erleben, Clara Fréjacques verkörpert ihr Double. Weitere zentrale Rollen übernehmen Michael Müller-Kasztelan als Luke, Agnieszka Hauzer als Aunt Lydia, Xenia Cumento als Moira und Tatia Jibladze als Serena Joy. Gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester Kiel entsteht ein Musiktheaterabend, der die Mechanismen totalitärer Herrschaft ebenso eindringlich beleuchtet wie die Widerstandskraft des einzelnen Menschen.
Premiere 13. März
weitere Aufführungen: 17. März, 16. und 24. April, 2., 13. und 23. Mai sowie 11. Juni 2027

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