LEOPOLDSTADT ist bei Tom Stoppard mehr als ein Ort. Es ist ein Echo, ein Schatten, ein Flüstern durch Generationen. In seinem letzten Stück erzählt der 2025 verstorbene Dramatiker die jüdische Geschichte Wiens vom Glanz bis zur Auslöschung – nicht als museale Rückblende, sondern als sehr persönliche, berührend gegenwärtige Familiengeschichte.

Wir folgen der Familie Merz: wohlhabend, säkularisiert, integriert, wie so viele, die um die Jahrhundertwende an den Fortschritt glaubten. Es ist eine Welt im Takt des Walzers und der Assimilation, im Zentrum einer Metropole, die sich für aufgeklärt hält. Und das Schicksal dieser Familie ist keine Ausnahme, sondern steht exemplarisch für eine bedrückende Vielzahl von Geschichten, die mit der Shoah ein brutales Ende fanden. Was bleibt, ist das Erinnern.

Stoppard, der selbst erst spät in seinem Leben von seiner jüdischen Herkunft erfuhr, verwebt in LEOPOLDSTADT persönliche Fragen mit historischem Bewusstsein. Was bedeutet Herkunft, wenn ihre Spuren kaum noch lesbar sind? Was tun mit einem Erbe wie diesem? Wie lässt es sich fortleben, wenn man so lange nicht einmal davon wusste? Und wie kann Theater, ohne Pathos und ohne falsche Verklärung, jene Würde retten, die so vielen genommen wurde?

Mit präziser Sprache, tiefem Humanismus und großer erzählerischer Eleganz entfaltet sich ein Panorama, das Vergangenheit nicht lediglich abbildet, sondern eine Verantwortung benennt, die heute dringlicher ist denn je. LEOPOLDSTADT ist ein Anschreiben gegen das Vergessen. Und ein Theaterabend über das, was Familie, Identität und Geschichte im Innersten verbindet.
Premiere 2. Oktober 2026

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