Mit John Neumeiers „Nijinsky“ bringt die Wiener Staatsoper ein eindringliches Ballettporträt auf die Bühne, das Leben, Kunst und innere Zerrissenheit des legendären Tänzers Vaslav Nijinsky miteinander verschränkt.

John Neumeiers Ballett zeichnet das Porträt einer der schillerndsten und tragischsten Figuren der Tanzgeschichte. Ausgangspunkt ist Vaslav Nijinskys letzter öffentlicher Auftritt im Jahr 1919, kurz bevor seine psychische Erkrankung offen ausbricht. Aus Erinnerungsfragmenten, Traumsequenzen und Szenen seiner Karriere entfaltet sich ein vielschichtiges Bühnenwerk, das Realität und inneres Erleben bewusst ineinander übergehen lässt.

Im Zentrum steht dabei nicht nur der Künstler Nijinsky, sondern auch die Spannungen zwischen Genie, Körper und Identität. Figuren aus seinen berühmten Rollen – etwa aus „Scheherazade“, „Le Spectre de la Rose“ oder „Les Sylphides“ – treten ebenso auf wie prägende Personen seines Lebens, darunter Serge Diaghilev. Vergangenheit, Erinnerung und künstlerische Selbstbilder verdichten sich zu einer choreografischen Collage von großer emotionaler Intensität.

Musikalisch verbindet Neumeier Werke verschiedener Komponisten wie Robert Schumann, Frédéric Chopin, Dmitri Schostakowitsch und Nikolai Rimski-Korsakow. Dadurch entsteht eine vielschichtige Klangwelt, die zwischen lyrischer Zerbrechlichkeit, dramatischer Zuspitzung und expressiver Wucht oszilliert. Die Choreografie verbindet klassische Ballettsprache mit psychologischer Tiefe und macht Nijinskys innere Konflikte körperlich erfahrbar.

So wird „Nijinsky“ weit mehr als ein biografisches Tanzstück. Das Ballett entfaltet sich als intensive Reflexion über Kunst und Isolation, über Ruhm, Erinnerung und den Preis künstlerischer Radikalität – ein Werk von großer atmosphärischer Kraft und emotionaler Unmittelbarkeit.
Premiere 20. Oktober
weitere Aufführugen: 22., 24., 27. und 30. Oktober, 6. und 9. November 2026

www.wiener-staatsoper.at