Sinnlich und verletzlich, analog und digital: Mit Nae Zerka präsentiert die Galerie schäfer + schlehwein eine außergewöhnliche künstlerische Position. In „EROSion“, seiner ersten Soloausstellung in der Galerie, trifft klassische Malerei auf digitale Bildfindung – und der menschliche Körper wird zum Schauplatz einer neuen, hybriden Ästhetik.
Was bleibt vom menschlichen Körper, wenn sich sein Bild zunehmend aus digitalen Fragmenten zusammensetzt? Nae Zerka nähert sich dieser Frage nicht analytisch, sondern über die Malerei. Seine Figuren sind körperlich präsent und zugleich eigentümlich entrückt. Sie wirken intim und distanziert, vertraut und fremd, als würden sie sich im selben Moment zeigen und wieder auflösen. Gerade das Unvollkommene, Verletzliche und Fragile wird dabei nicht kaschiert, sondern zum zentralen Ausdrucksmittel.

Nae Zerka, PHAeNOMEN © schäfer + schlehwein, 2026
Zerka entwickelt seine Motive aus digitaler Bildfindung und übersetzt sie anschließend in eine physische, haptische Bildwelt. Pastell, Acryl und Öl überlagern und ergänzen einander; digitale Elemente treffen auf gestische Spuren und malerische Verdichtungen. Die Oberfläche wird dabei selbst zum Erlebnis: Farbfelder, Glitches und scheinbar codierte Strukturen können sich in tektonische Formationen, schillernde Flächen oder imaginierte Landschaften verwandeln. Nichts bleibt eindeutig – weder die Figur noch der Raum, in dem sie erscheint.
In dieser Verbindung von Technologie und malerischer Intuition liegt eine der wesentlichen Qualitäten von Zerkas Arbeiten. Verwurzelt in der Computerkultur der 1980er-Jahre, setzt sich der Künstler mit einer visuellen Welt auseinander, in der digitale Bilder längst unseren Blick auf Wirklichkeit prägen. Seine Malerei übernimmt jedoch nicht einfach die Ästhetik des Digitalen. Sie widersetzt sich vielmehr dessen scheinbarer Glätte und Perfektion. Wo digitale Bilder oft makellos erscheinen, lässt Zerka Spuren, Brüche und Irritationen sichtbar werden.

Nae Zerka, Ganz nah am Wald © schäfer + schlehwein, 2026
So werden seine Werke zu visuellen Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine, zwischen virtueller und körperlicher Wahrnehmung. Der Körper erscheint nicht als idealisierte Oberfläche, sondern als empfindliche, wandelbare Präsenz. Eros und Erosion liegen dabei überraschend nahe beieinander: Anziehung und Auflösung, Begehren und Vergänglichkeit, Schönheit und Verletzlichkeit beginnen ineinander überzugehen.
„EROSion“ eröffnet damit einen offenen Denk- und Wahrnehmungsraum. Die Arbeiten verlangen keine eindeutige Entschlüsselung, sondern laden dazu ein, sich zwischen den Ebenen von Bild, Körper, Technologie und Erinnerung zu bewegen. Sinnlich, analytisch und poetisch zugleich stellt Nae Zerka eine zentrale Frage unserer Gegenwart: Wie verändert sich unser Blick auf den Menschen, wenn sich auch das Bild des Menschen verändert?
4. bis 31. Oktober 2026
https://schaefer-schlehwein.com

Nae Zerka im Atelier © schäfer + schlehwein, 2026






