Mit der Ausstellung „Hope moves History towards Freedom” präsentiert die Kunsthalle Krems in der Dominikanerkirche Krems eine eindrucksvolle Rauminstallation der iranisch-österreichischen Künstlerin Soli Kiani. Die Schau vereint zentrale Aspekte ihres bisherigen Schaffens und macht sichtbar, wie eng Material, Körper und gesellschaftliche Realität in ihrem Werk miteinander verwoben sind.

Seit vielen Jahren beschäftigt sich Kiani mit den kulturellen und politischen Bedeutungen von Textilien. Stoff erscheint in ihren Arbeiten nicht bloß als Material, sondern als Träger von Erinnerungen, Identitäten und gesellschaftlichen Zuschreibungen. Für die Dominikanerkirche entwickelt die Künstlerin eine ortsspezifische Installation, die den sakralen Raum in einen Ort der Reflexion über Freiheit, Selbstbestimmung und Widerstand verwandelt.
Den Mittelpunkt bilden monumentale, vertikal aufragende Stoffskulpturen. Aus gehärteten Textilbahnen und Seilen geformt, wachsen sie aus schlichten Betonsockeln empor und entfalten eine bemerkenswerte Präsenz. Die säulenartigen Gebilde nehmen die Architektur des gotischen Kirchenraums auf und verstärken dessen Streben in die Höhe. Zugleich erinnern ihre abstrahierten Formen an textile Hüllen und verweisen auf den Tschador, den traditionellen Umhang iranischer Frauen. In Kianis Interpretation wird dieses Kleidungsstück zu einem vielschichtigen Symbol: Es steht gleichermaßen für Schutz und Zugehörigkeit wie für Kontrolle und Einschränkung.
Besonders eindrucksvoll ist die Spannung, die aus dem Material selbst entsteht. Obwohl die Stoffe durch Acryl und Leim verhärtet wurden, bewahren sie Spuren ihrer ursprünglichen Beweglichkeit. Falten, Wellen und Verdichtungen lassen die Erinnerung an ein flexibles Gewebe bestehen. Die Skulpturen erscheinen dadurch zugleich fragil und kraftvoll, statisch und lebendig.

Soli Kani © Maximilian Pramatarov

Soli Kani © Maximilian Pramatarov

Ergänzt wird die Installation durch großformatige, fotorealistische Zeichnungen auf Leinwand. Mit hoher Präzision stellt Kiani menschliche Körper dar und setzt damit einen bewussten Kontrapunkt zur abstrahierten Formensprache der Skulpturen. Während die textilen Arbeiten gesellschaftliche Strukturen und kulturelle Prägungen thematisieren, richten die Zeichnungen den Blick auf das Individuum. Fragen nach Identität, Verletzlichkeit und Selbstbestimmung treten in den Vordergrund.
Im Zusammenspiel von Skulptur, Zeichnung und Architektur entsteht ein vielschichtiger Dialog über persönliche Erfahrung und kollektive Geschichte. Kianis Werk verweigert einfache Antworten und eröffnet stattdessen Räume für Empathie und Nachdenken. Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wie Kunst gesellschaftliche Realitäten sichtbar machen kann, ohne ihre poetische Kraft zu verlieren.
Soli Kiani, 1981 in Shiraz geboren und seit 2000 in Wien lebend, zählt zu den markanten Stimmen einer Generation von Künstlerinnen, die biografische Erfahrungen mit universellen Fragen nach Freiheit und Zugehörigkeit verbinden. Hope moves History towards Freedom ist nicht nur eine Ausstellung über Stoff und Körper, sondern auch über die beharrliche Kraft der Hoffnung als Motor gesellschaftlicher Veränderung.
27. Juni bis 26. Oktober 2026
www.kunstmeile.at