Mit Christoph Willibald Glucks „Orfeo ed Euridice“ bringt das Oldenburgische Staatstheater im Januar 2027 eines der Schlüsselwerke der Operngeschichte auf die Bühne. Der antike Mythos vom Sänger Orpheus, der seiner verstorbenen Geliebten bis in die Unterwelt folgt, wird dabei zum Ausgangspunkt einer Auseinandersetzung mit Verlust, Erinnerung und der schwierigen Kunst des Loslassens.

Orfeo hat seine geliebte Euridice verloren. Überwältigt von seiner Trauer scheint für ihn ein Weiterleben ohne sie kaum vorstellbar. Doch Amor eröffnet ihm eine Möglichkeit, die Grenzen zwischen Leben und Tod zu überwinden. Orfeo darf in die Unterwelt hinabsteigen und Euridice zurück in die Welt der Lebenden führen. Dafür muss er allerdings eine entscheidende Bedingung erfüllen: Auf dem gemeinsamen Weg darf er sie weder ansehen noch ihr erklären, warum er sich von ihr abwendet.

Was zunächst wie eine lösbare Aufgabe erscheint, entwickelt sich zu einer emotionalen Prüfung. Euridice versteht Orfeos Verhalten nicht. Sie zweifelt an seiner Liebe und kann nicht begreifen, warum der Mann, der sie aus dem Reich der Toten zurückholen wollte, ihr nun jeden Blick verweigert.
Orfeo hält ihrem Schmerz schließlich nicht stand. Er dreht sich zu Euridice um – und verliert sie damit ein zweites Mal. Erst durch das erneute Eingreifen Amors erhält ihre Geschichte schließlich eine weitere Wendung.

Christoph Willibald Gluck komponierte „Orfeo ed Euridice“ 1762 für Wien. Das Werk wurde zu einem Meilenstein seiner Opernreform. An die Stelle überladener Virtuosität sollte eine unmittelbarere Verbindung zwischen Musik und Drama treten. Gluck konzentrierte die Handlung und stellte die Gefühle seiner Figuren stärker in den Mittelpunkt.

Die Oldenburger Produktion verwendet die Wiener Fassung von 1762 und wird in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln gespielt. Regisseurin Aileen Schneider interessiert dabei weniger Orfeos heroische Rettungstat als die Erfahrung von Abschied und Trauer. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob das Festhalten an einem verlorenen Menschen tatsächlich Ausdruck größter Liebe ist – oder ob gerade das Loslassen zu einem Liebesbeweis werden kann.

Die musikalische Leitung übernimmt Eric Staiger. Jan Hendrik Neidert gestaltet die Bühne, die Kostüme stammen von Lorena Díaz Stephens und die Choreografie von Antoine Jully. Die Partie des Orfeo übernehmen Anna Dowsley und Dorothee Bienert, Penelope Kendros ist als Euridice zu erleben.

Damit wird der jahrtausendealte Orpheus-Mythos in Oldenburg zu einer Geschichte über die Macht von Erinnerungen – darüber, wie sie Verstorbene lebendig halten können, gleichzeitig aber auch verhindern können, dass die Zurückgebliebenen selbst wieder ins Leben finden.
Premiere 23. Januar 2027
weitere Aufführungen: 30. Januar, 25. Februar, 7. und 31. März, 21., 24. und 30. April, 8., 21. und 28. Mai sowie 6. Juni 2027

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