Die Ruhrtriennale zählt zu den bedeutendsten Festivals für zeitgenössische Kunst und Musiktheater in Europa. Im letzten Jahr der Intendanz von Ivo Van Hove steht die Ausgabe 2026 unter dem Zeichen des gemeinsamen Erlebens, der Begegnung und der künstlerischen Auseinandersetzung mit einer von Krisen geprägten Gegenwart. Das Festival lädt dazu ein, neue Perspektiven einzunehmen und Kunst als Raum für Austausch und gesellschaftliche Reflexion zu begreifen.
Eröffnet wird die Ruhrtriennale 2026 mit dem Musiktheater „Rebel Rebel”, das sich der Musik und der Ikonographie David Bowies widmet. Die Produktion entwirft eine dystopisch geprägte Gegenwart, in der Entfremdung und Isolation nicht nur gesellschaftliche Realität, sondern auch strukturell verankert sind. Im Zentrum steht ein junges Paar, das sich gegen diese Ordnung auflehnt und im Widerstand eine eigene Utopie entwirft – ein vielschichtiges Spiel zwischen Popkultur, Musiktheater und politischer Allegorie.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte und Erinnerungskultur. In der Uraufführung „Deutscher Herbst” untersucht Regisseur Christopher Rüping gemeinsam mit dem Deutschen Theater Berlin historische Zäsuren von 1946 bis 1977 und fragt nach dem Verhältnis von Erinnerung, Freiheit und Identität in der Gegenwart. Die Vergangenheit erscheint dabei nicht als abgeschlossenes Kapitel, sondern als fortwirkende Struktur gesellschaftlicher Selbstverständigung.

„Emily – No Prisoner Be” © Anja Köhler
Auch Krzysztof Warlikowski richtet den Blick auf die Gegenwart im Spiegel historischer Erfahrungen. In „Europa” thematisiert er die Weitergabe von Traumata über Generationen hinweg und untersucht, wie Gewalt- und Krisenerfahrungen individuelle Lebensläufe prägen. Serge Aimé Coulibaly und das Faso Danse Théâtre setzen diesen Gedanken in Bewegung um: „Back to Kidal” erzählt als choreografische Odyssee von kollektiver Suche nach Freiheit und Selbstbestimmung.
Einen literarisch-philosophischen Akzent setzt die Musiktheaterproduktion „Siddhartha” von Lisaboa Houbrechts nach Hermann Hesse, die Fragen nach Identität und innerer Wandlung ins Zentrum rückt. Ergänzt wird das Programm durch den Liederzyklus „Emily – No Prisoner Be” von Joyce DiDonato, der sich den Gedichten Emily Dickinsons widmet und deren poetische Verdichtung von Innenwelt und Sprache musikalisch neu interpretiert.
Im Rahmen der Reihe Erased Music werden zudem vergessene und wiederentdeckte Werke von Roman Padlewski und Charles Tournemire präsentiert, aufgeführt vom Chorwerk Ruhr und den Bochumer Symphonikern unter der Leitung von Florian Helgath in der Jahrhunderthalle Bochum.
Mit insgesamt 31 Produktionen und 114 Veranstaltungen an Spielorten in Bochum, Duisburg, Dortmund, Essen und Gladbeck verwandelt die Ruhrtriennale die Industriekultur des Ruhrgebiets erneut in einen einzigartigen Resonanzraum für zeitgenössische Kunst.
20. August bis 20. September 2026
www.ruhrtriennale.de

