Mit Kaija Saariahos „Innocence“ eröffnet das Theater Bremen im September 2026 seine Musiktheatersaison. Die 2021 beim Festival d’Aix-en-Provence uraufgeführte Oper gehört zu den bedeutenden Musiktheaterwerken der jüngeren Vergangenheit und verbindet die Geschichte eines Amoklaufs an einer internationalen Schule mit der Frage, wie Schuld, Erinnerung und Trauma noch Jahre später das Leben der Beteiligten bestimmen.
Ausgangspunkt ist eine Hochzeitsfeier in Helsinki. Tuomas, ein junger Finne, heiratet Stela, die aus Rumänien stammt. Doch über der Feier liegt ein Geheimnis, von dem die Braut nichts weiß: Tuomas’ Bruder war Jahre zuvor für einen Amoklauf an einer internationalen Schule verantwortlich. Zehn Menschen kamen dabei ums Leben. Als die Mutter eines der Opfer auf der Hochzeit erscheint, drängt die verdrängte Vergangenheit mit aller Macht zurück in die Gegenwart.
Parallel zur Hochzeitsgesellschaft begegnen dem Publikum die Lehrerin und Schülerinnen und Schüler, die den Angriff überlebt haben. Erinnerungen und Gegenwart verschränken sich zunehmend miteinander. Nach und nach entsteht ein vielschichtiges Bild der Ereignisse, in dem einfache Antworten auf die Frage nach Schuld und Verantwortung unmöglich werden.
Das finnische Originallibretto stammt von der Schriftstellerin Sofi Oksanen und wurde von Aleksi Barrière zu einem mehrsprachigen Opernlibretto weiterentwickelt. Die Figuren sprechen und singen in verschiedenen Sprachen – darunter Englisch, Finnisch, Tschechisch, Rumänisch, Spanisch, Französisch, Schwedisch, Griechisch und Deutsch. Die unterschiedlichen Sprachen werden damit selbst zum Ausdruck der internationalen Gemeinschaft, deren Leben durch die Gewalttat miteinander verbunden wurden.
Kaija Saariaho schuf dazu eine ebenso dichte wie atmosphärische Partitur. Anstatt die Tat selbst ins Zentrum zu stellen, richtet „Innocence“ den Blick auf ihre langfristigen Folgen: auf Hinterbliebene, Überlebende und Angehörige und auf die Frage, ob ein Weiterleben nach einer solchen Erfahrung überhaupt ohne die Vergangenheit möglich ist.
Am Theater Bremen übernimmt Marco Štorman die Regie. Die musikalische Leitung liegt bei Generalmusikdirektor Stefan Klingele. Damit beginnt das Theater Bremen die neue Musiktheatersaison mit einem zeitgenössischen Werk, das die Grenzen zwischen persönlicher und kollektiver Verantwortung auslotet.
Premiere 13. September 2026
weitere Aufführungen: 16. und 25. September, 8., 11. und 17. Oktober, 7. und 14. November, 5. Dezember 2026 sowie 15. Januar 2027











