Mit der Ausstellung Schiele & Peschka. Eine Familienaufstellung eröffnet das Wien Museum einen überraschend persönlichen Blick auf einen der bedeutendsten Künstler der Moderne: Egon Schiele. Im Zentrum steht dabei nicht nur sein Werk, sondern ein vielschichtiges familiäres Netzwerk, das Kunst, Leben und Erinnerung auf eindrucksvolle Weise miteinander verbindet.
Ausgangspunkt der Schau ist die sogenannte „Sammlung Peschka“, ein außergewöhnlicher Nachlass, der 1997 an die Stadt Wien ging. Er stammt von Anton Peschka jun., dem Sohn von Schieles Schwester Gerti und dem Maler Anton Peschka, einem engen Weggefährten Schieles. Was diese Sammlung so besonders macht, ist ihre Vielschichtigkeit: Neben Gemälden und Zeichnungen finden sich hier auch Möbel aus Schieles Atelier, persönliche Gegenstände, Bücher, Fotografien und Briefe – ein dichtes Geflecht aus Kunst und Alltag, das wie eine Zeitkapsel wirkt.

Anton Peschka, 1909 (Foto: Ludwig Grillich). Foto: TimTom, Wien Museum
Gerade diese Mischung eröffnet neue Perspektiven. Erstmals lassen sich familiäre Beziehungen, künstlerische Einflüsse und biografische Details eng miteinander verknüpfen. Neu entdeckte Dokumente bringen bislang unbekannte Aspekte ans Licht – etwa die Existenz einer lange vergessenen Nichte oder Fragen zur künstlerischen Nähe zwischen Schiele und seinem Schwager. Die Ausstellung zeigt damit, wie sehr Kunst auch im privaten Raum entsteht und weiterlebt. Ein besonderes Highlight ist Schieles originale Glasvitrine, die mitsamt ihrem Inhalt erhalten blieb. Dieses persönliche „Kabinett“ offenbart die Sammelleidenschaft des Künstlers und gibt Einblick in seine Gedankenwelt. Alltägliche Objekte werden hier zu Bedeutungsträgern – zu Fragmenten eines Lebens, das zwischen radikaler Kunst und intensiven Beziehungen oszillierte.
Schiele & Peschka ist damit weit mehr als eine klassische Werkschau. Die Ausstellung nähert sich ihrem Thema über Nähe, Erinnerung und Verflechtung – und macht sichtbar, wie eng künstlerische Entwicklung und persönliche Lebensgeschichten miteinander verbunden sind. Ein intimer Zugang zu einem Künstler, der bis heute fasziniert – und hier in einem neuen Licht erscheint.
30. April bis 27. September 2026
www.wienmuseum.at

Egon Schiele und Anton Peschka in Krumau, 1910. Foto: Erwin Dominik Osen






