Mit Gioachino Rossinis „Guillaume Tell“ bringt die Hamburgische Staatsoper im Januar 2027 eines der monumentalen Werke der Operngeschichte auf die Bühne. Im Mittelpunkt stehen Unterdrückung, Widerstand und die Zerbrechlichkeit gesellschaftlicher Freiheit – Themen, die in Tobias Kratzers gefeierter Inszenierung mit unmittelbarer Gegenwärtigkeit erzählt werden.

Die Schweizer Bevölkerung leidet unter der Herrschaft der Habsburger. Guillaume Tell gehört zu jenen Menschen, die sich gegen die Unterdrückung zur Wehr setzen. Als er sich weigert, dem aufgestellten Hut des habsburgischen Landvogts Gesler seine Ehrerbietung zu erweisen, wird er zu jener berühmten Prüfung gezwungen, die längst Teil des europäischen Mythos geworden ist: Mit seiner Armbrust soll Tell einen Apfel vom Kopf seines eigenen Sohnes schießen.

Parallel dazu steht Arnold Melcthal vor einem ganz anderen Konflikt. Er gehört zu den Unterdrückten, liebt jedoch ausgerechnet die habsburgische Prinzessin Mathilde. Persönliches Begehren und politische Loyalität geraten damit ebenso aneinander wie Tells Verantwortung gegenüber seiner Familie und seine Rolle innerhalb des Widerstands.

Rossini schuf „Guillaume Tell“ nach Friedrich Schillers Schauspiel „Wilhelm Tell“. Die 1829 in Paris uraufgeführte Oper wurde sein letztes Bühnenwerk und verbindet monumentale Chorszenen und virtuosen Belcanto mit einem politischen Freiheitsdrama. Das Libretto stammt von Étienne de Jouy und Hippolyte Bis.

In Tobias Kratzers Inszenierung wird die Schweizer Dorfgemeinschaft zu einer kultivierten und liberalen Gesellschaft, deren vermeintlich stabile Werte plötzlich durch äußere Gewalt bedroht werden. Damit verschiebt sich der Blick weg von einer nationalen Heldenerzählung hin zur Frage, wie eine Gemeinschaft reagiert, wenn Freiheit, Kultur und gesellschaftlicher Zusammenhalt unter Druck geraten.

Die Hamburger Aufführung ist eine Neuauflage von Kratzers 2019 für die Opéra de Lyon entwickelter Produktion und entsteht in Koproduktion mit der Opéra national de Paris. Die musikalische Leitung übernimmt Susanna Mälkki, Bühne und Kostüme stammen von Rainer Sellmaier, die Choreografie von Demis Volpi.
Auch musikalisch ist die Produktion prominent besetzt: Jacques Imbrailo übernimmt die Titelpartie des Guillaume Tell, Lawrence Brownlee ist als Arnold Melcthal zu erleben. Lisette Oropesa singt bei einem Großteil der Vorstellungen Mathilde, während unter anderem Sir Willard White, Narea Son, Alexander Roslavets und Adriana Bignagni Lesca das Ensemble ergänzen.

Mit „Guillaume Tell“ wird Rossinis Freiheitsoper damit zu einer Auseinandersetzung mit der Frage, wie eine offene Gesellschaft auf Gewalt und Machtmissbrauch reagieren kann – und ob Freiheit weniger das Werk einzelner Helden als vielmehr ein zerbrechliches gemeinschaftliches Projekt ist.
Premiere 24. Januar 
weitere Aufführungen: 27. und 30. Januar, 2., 5., 19. und 25. Februar sowie 4. März 2027 

www.die-hamburgische-staatsoper.de