Mit „American Dreams“ startet das Lucerne Festival 2026 in eine neue Ära. Unter der Leitung des neuen Intendanten Sebastian Nordmann treffen große Orchestertraditionen auf innovative Konzertformate, amerikanische Klangwelten auf europäische Exzellenz und klassische Musik auf neue Perspektiven des Erlebens. Wenn sich jeden Sommer die internationale Elite der klassischen Musik in Luzern versammelt, wird die Stadt am Vierwaldstättersee für einige Wochen zum Mittelpunkt der Musikwelt. Das Lucerne Festival zählt seit Jahrzehnten zu den renommiertesten Klassikfestivals Europas. Mit der Saison 2026 beginnt nun ein neues Kapitel: Erstmals verantwortet Sebastian Nordmann als Intendant das Sommerfestival und setzt dabei sowohl auf Kontinuität als auch auf neue Impulse.

Vom 13. August bis 13. September verwandeln mehr als 120 Veranstaltungen an 32 Tagen Luzern in ein Zentrum musikalischer Begegnungen. Rund 20 der bedeutendsten Sinfonieorchester der Welt geben sich die Ehre und präsentieren die gesamte Bandbreite des großen Orchesterrepertoires. Gleichzeitig öffnet sich das Festival verstärkt neuen Formaten und Publikumsschichten, ohne seinen künstlerischen Anspruch aus den Augen zu verlieren.
Das Motto „American Dreams“ bildet den roten Faden des diesjährigen Programms. Dabei geht es nicht um eine einzige musikalische Tradition, sondern um die faszinierende Vielfalt amerikanischer Klangwelten. Jazz, Musical, Filmmusik, Minimal Music und klassische Sinfonik treten miteinander in Dialog und spiegeln die kulturelle Vielschichtigkeit eines Landes wider, das die Musikgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts entscheidend geprägt hat.
Bereits das Eröffnungskonzert am 14. August macht diesen Anspruch hörbar. Das Lucerne Festival Orchestra unter der Leitung von Riccardo Chailly widmet sich Werken von George Gershwin und Charles Ives. Gleichzeitig erklingt Steve Reichs „New York Counterpoint“ in einer außergewöhnlichen Fassung für elf Klarinetten. Zum Festivalabschluss am 13. September steht mit Gershwins „Porgy and Bess“ ein Meilenstein amerikanischer Musikgeschichte auf dem Programm, interpretiert vom Chineke! Orchestra und dem Vokalensemble der Cape Town Opera unter Enrique Mazzola.

Daniel Barenboim © Priska Ketterer/ Lucerne Festival Sommer

Daniel Barenboim © Priska Ketterer/ Lucerne Festival Sommer

Zu den prominenten Gästen zählt der vielfach ausgezeichnete Geiger Augustin Hadelich, der als diesjähriger „artiste étoile“ in mehreren Konzerten zu erleben sein wird. Der französische Komponist Mark Andre übernimmt die Rolle des composer-in-residence und eröffnet mit seinen Werken neue Perspektiven auf zeitgenössische Klangsprachen. Zugleich beginnt für die Lucerne Festival Academy eine neue Ära: Erstmals wird sie von dem renommierten Komponisten, Klarinettisten und Dirigenten Jörg Widmann geleitet.
Sebastian Nordmann nutzt seinen Einstand auch, um neue Wege der Konzertvermittlung zu beschreiten. Bereits am Vorabend des offiziellen Festivalstarts laden die neuen Formate „Ouvertüre“ und „Klassik für alle: Open Air“ zu einem kostenlosen musikalischen Auftakt ein. Unter dem Motto „A Cuban-Classical Night“ treffen im KKL Luzern und auf dem Europaplatz klassische Musik und kubanische Klangwelten aufeinander.
Besonders eindrucksvoll erscheint das neue Format „Mittendrin“. Hier sitzt das Publikum nicht im Konzertsaal, sondern zwischen den Musikerinnen und Musikern auf der Bühne. Wenn das Budapest Festival Orchestra unter Iván Fischer Prokofjews „Cinderella“ interpretiert, entsteht eine unmittelbare Nähe zum musikalischen Geschehen, die normalerweise nur den Orchestermitgliedern vorbehalten ist.
Auch die Stadt selbst wird Teil des Festivals. Mit dem neu konzipierten Straßenmusikprojekt „In den Strassen: City Stage“ verwandeln junge Musikerinnen und Musiker der Lucerne Festival Academy sowie weitere Ensembles Luzern in eine klingende Bühne. Geplante Auftritte und spontane Pop-up-Konzerte sorgen dabei für überraschende musikalische Begegnungen im urbanen Raum.
Dass das Festival auch über die Grenzen der klassischen Musik hinausblickt, zeigt der Auftritt der Hamburger Formation MEUTE. Die elf Musiker verbinden Blasmusik mit Techno und House zu einem energiegeladenen Klangereignis, das neue Publikumsschichten ansprechen dürfte.
Mit seinem ersten Sommerfestival gelingt Sebastian Nordmann eine überzeugende Balance zwischen Tradition und Aufbruch. „American Dreams“ steht dabei nicht nur für ein musikalisches Thema, sondern für die Idee eines Festivals, das neugierig bleibt, Grenzen überschreitet und die klassische Musik immer wieder neu erlebbar macht. Vor der einzigartigen Kulisse des Vierwaldstättersees entsteht so ein Festival, das die großen Traditionen feiert und zugleich mutig in die Zukunft blickt.
13. August bis 13. September 2026
www.lucernefestival.ch

Hilary Hahn © Chris Lee

Hilary Hahn © Chris Lee