Ein zerbrochener Krug, ein verletzter Dorfrichter und eine junge Frau, die beharrlich schweigt: Heinrich von Kleists berühmte Komödie zählt zu den großen Klassikern des deutschsprachigen Theaters und entfaltet bis heute eine erstaunliche Aktualität.

Im Mittelpunkt steht eine scheinbar einfache Gerichtsverhandlung. Frau Marthe verlangt Aufklärung darüber, wer in der vergangenen Nacht ihren wertvollen Krug zerstört hat. Doch je intensiver der Fall untersucht wird, desto deutlicher zeigt sich, dass weit mehr auf dem Spiel steht als beschädigtes Porzellan. Vor allem die junge Eve, die als wichtigste Zeugin Licht ins Dunkel bringen könnte, verweigert jede Erklärung. Während die Beteiligten versuchen, die Wahrheit ans Licht zu bringen, geraten Machtverhältnisse, persönliche Interessen und gesellschaftliche Zwänge immer stärker in den Fokus.

Die vielfach ausgezeichnete Regisseurin Fritzi Wartenberg nähert sich Kleists Meisterwerk aus einer neuen Perspektive und stellt die Frage nach Eves Schweigen ins Zentrum ihrer Inszenierung. Dabei entdeckt sie in dem über 200 Jahre alten Text eine überraschende und zugleich ermächtigende Lesart, die dem Stück neue Aktualität verleiht. Mit schwarzem Humor und feinem Gespür für die Absurditäten menschlichen Handelns entfaltet sich ein ebenso komisches wie hintergründiges Verwirrspiel.

Kleists „Der zerbrochne Krug“ verbindet brillante Sprachkunst mit scharfer Gesellschaftsbeobachtung und zeigt, wie eng Wahrheit, Macht und Selbstbehauptung miteinander verknüpft sein können. Die Luzerner Inszenierung macht daraus einen Theaterabend voller Witz, Spannung und überraschender Perspektiven – und lässt die zentrale Frage bis zuletzt offen: Warum schweigt Eve eigentlich?
Premiere 17. Oktober
weitere Aufführungen: 23., 25., 28. und 29. Oktober, 8., 14., 20., 25. und 27. November, 10. und 11. Dezember 2026, 7., 8. und 15. Januar 2027

www.luzernertheater.ch