Wenn Salzburg im Sommer seine barocken Plätze, Gassen und Bühnen in einen einzigen großen Resonanzraum der Kunst verwandelt, zeigt sich einmal mehr, warum die Salzburger Festspiele zu den bedeutendsten Kulturereignissen der Welt zählen. Vom 17. Juli bis 30. August 2026 trifft in der Mozartstadt musikalische Exzellenz auf intellektuelle Tiefe, große Oper auf radikales Schauspiel und spirituelle Reflexion auf gesellschaftliche Gegenwartsfragen. Nach dem überraschenden Abschied des langjährigen Intendanten Markus Hinterhäuser steht der Festspielsommer unter der interimistischen Leitung von Karin Bergmann – und gerade dieser Übergang verleiht dem Programm eine besondere Spannung.
Bereits die Eröffnung setzt ein starkes Zeichen: Die belarussische Bürgerrechtsaktivistin Maria Kalesnikava hält die offizielle Festrede und rückt damit Freiheit, Verantwortung und kulturelle Widerstandskraft ins Zentrum eines Festivals, das sich seit jeher als Ort des künstlerischen und gesellschaftlichen Dialogs versteht.
Im Opernprogramm begegnen sich Klassiker und Moderne auf höchstem Niveau. Besonders gespannt darf man auf Richard Strauss’ „Ariadne auf Naxos” sein, die Regisseur Ersan Mondtag mit seiner bildmächtigen Handschrift neu interpretiert. Unter der musikalischen Leitung von Manfred Honeck verspricht die Produktion eine faszinierende Verbindung aus Mythos, Theaterillusion und psychologischer Feinarbeit. Georges Bizets „Carmen” kehrt als große Neuinszenierung auf die Salzburger Bühne zurück – leidenschaftlich, gefährlich und voller emotionaler Wucht. Mit Asmik Grigorian in einer der zentralen Partien dürfte die Oper zu den Höhepunkten des Sommers zählen. Auch Mozarts „Così fan tutte” bleibt als unverzichtbares Salzburger Herzstück im Programm und erinnert daran, dass Salzburg ohne Mozart kaum denkbar wäre. Neben den großen Repertoirewerken wagt sich das Festival erneut an monumentale Musik der Moderne: Olivier Messiaens spirituelles Mammutwerk „Saint François d’Assise” fordert Publikum und Künstler gleichermaßen heraus und öffnet Räume meditativer Intensität.

Roxane Duran (Buhlschaft), Philipp Hochmair (Jedermann) © SF/Julia Stix
Auch das Schauspiel präsentiert sich 2026 außergewöhnlich stark. Philipp Hochmair verkörpert weiterhin den legendären Jedermann auf dem Domplatz, während Roxane Duran erstmals als Buhlschaft zu erleben ist. Gleichzeitig setzen Uraufführungen von Peter Handke und Elfriede Jelinek markante literarische Akzente. Wajdi Mouawads Theaterprojekt „Europa” erweitert den Blick auf politische und kulturelle Identität in einer zunehmend fragilen Welt. Besonders eindrucksvoll erscheint die diesjährige Ouverture spirituelle, die unter dem Leitmotiv „Miserere“ nach Schuld, Erlösung und Mitgefühl fragt. Erstmals wird mit Oscar Wildes De Profundis auch ein Schauspiel in das geistliche Eröffnungsprogramm integriert – ein bewegendes Zeichen für die Öffnung der Festspiele zwischen Musik, Literatur und existenzieller Reflexion.
So zeigen sich die Salzburger Festspiele 2026 als Festival von großer emotionaler und geistiger Dichte: ein Sommer voller Klang, Debatte, Schönheit und jener unverwechselbaren Salzburger Mischung aus Tradition und künstlerischer Erneuerung.
17. Juli bis 30. August 2026
www.salzburgerfestspiele.at






