Mit Hans Sommers „Lorelei“ bringt das Staatstheater Braunschweig im Januar 2027 eine besondere musikalische Wiederentdeckung auf die Bühne. Das Bühnenspiel in drei Aufzügen entstand im ausgehenden 19. Jahrhundert und führt zugleich unmittelbar in die Musikgeschichte Braunschweigs: Sommer wurde in der Stadt geboren und „Lorelei“ 1891 hier uraufgeführt.

Im Zentrum steht Lore, die uneheliche Tochter einer Rheintochter und eines Menschen. Sie wächst bei Pflegeeltern auf und scheint zunächst ein Leben fernab der geheimnisvollen Welt ihrer Herkunft zu führen. Beim traditionellen Mailehensfest soll sich schließlich auch ihre persönliche Zukunft entscheiden.
Lore wird dem Fischer Erwin zugesprochen. Ihre eigenen Gefühle führen sie jedoch in eine andere Richtung: Sie verliebt sich in den adeligen Jäger Ludwig. Zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und persönlicher Leidenschaft beginnt eine Beziehung, die von Anfang an unter schwierigen Vorzeichen steht.

Ludwig verspricht Lore seine Treue – doch er hält sein Wort nicht. Für die junge Frau hat dieser Verrat dramatische Folgen. Verzweifelt stürzt sie sich in den Rhein. Damit endet ihre Geschichte allerdings nicht.
Lore kehrt als sagenhafte Lorelei zurück. Aus der betrogenen jungen Frau wird jene geheimnisvolle Gestalt, die fortan mit dem Rhein verbunden ist und Rache für das erlittene Unrecht sucht. So verbindet Hans Sommer eine persönliche Liebestragödie mit einem der bekanntesten Stoffe der deutschen Rheinromantik.

Für das Staatstheater besitzt die Wiederentdeckung des Werks eine besondere Bedeutung. Ab der Spielzeit 2026/27 setzt das Haus jährlich einen Schwerpunkt zur Geschichte Braunschweigs. Den Auftakt bildet Hans Sommer, dessen Biografie weit über seine Tätigkeit als Komponist hinausreicht.

Der gebürtige Braunschweiger studierte zunächst Mathematik und war als Direktor maßgeblich an der Entwicklung des Polytechnikums zur Technischen Universität beteiligt. Gleichzeitig beschäftigte er sich intensiv mit Musik, erforschte die regionale Musikgeschichte und engagierte sich für das zeitgenössische Musikleben. Später widmete er sich vollständig dem Komponieren.

„Lorelei“ war sein erstes großes Musiktheaterwerk. Nach der Braunschweiger Uraufführung 1891 fand die Oper schnell weitere Beachtung; kurze Zeit später dirigierte Richard Strauss das Werk in Weimar. Mit der Neuproduktion kehrt Sommers frühes Bühnenwerk nun an seinen Entstehungsort zurück.

Die musikalische Leitung übernimmt Alexander Sinan Binder, Regie führt Kay Kuntze. Markus Meyer gestaltet Bühne und Kostüme, Johanna Motter übernimmt die Choreinstudierung. Damit verbindet die Produktion eine romantische Geschichte von Liebe, Verrat und Rache mit der Wiederentdeckung eines Komponisten, der eng mit der Kultur- und Wissenschaftsgeschichte Braunschweigs verbunden ist.
Premiere 23. Januar 2027
weitere Aufführungen: 29. Januar, 6., 25. und 28. Februar, 7. und 19. März sowie 2. April 2027

www.staatstheater-braunschweig.de