Mit Lebt und arbeitet in Wien: Contemporary Art from Vienna präsentiert die Kunsthalle Wien vom 1. Mai bis 26. Oktober 2026 die umfangreichste Überblicksausstellung zur Wiener Gegenwartskunst seit mehr als einem Jahrzehnt. Über sechs Monate hinweg werden an den beiden Standorten im MuseumsQuartier und am Karlsplatz mehr als 130 Werke von 56 Künstlerinnen und Künstlern gezeigt, die in Wien leben und arbeiten. Die Ausstellung versammelt Malerei, Skulptur, Installation, Fotografie, Zeichnung, Film, Video, Performance und Klangarbeiten und zeichnet damit ein vielschichtiges Bild einer Kunstszene, die sich durch Vielfalt, politische Wachsamkeit und internationale Offenheit auszeichnet.
Bereits der Titel verweist auf einen entscheidenden Aspekt der Ausstellung: Wien wird nicht nur als geografischer Ort verstanden, sondern als lebendiger Produktionsraum für zeitgenössische Kunst. Die Stadt erscheint als kulturelles Spannungsfeld, in dem sich historische Schwere, konservative Strukturen und progressive künstlerische Positionen kontinuierlich reiben. Gerade aus dieser Spannung heraus entstehen Arbeiten, die gesellschaftliche Entwicklungen reflektieren und Fragen nach Identität, Öffentlichkeit, Erinnerung, Körperlichkeit oder Macht neu verhandeln.
Die Ausstellung knüpft an eine traditionsreiche Reihe an, die erstmals im Jahr 2000 von der Kunsthalle Wien initiiert wurde. Die nunmehr fünfte Ausgabe versteht sich weniger als repräsentative Leistungsschau denn als Momentaufnahme einer dynamischen Szene. Kuratiert von Daniel Baumann, Michelle Cotton und Monika Georgieva richtet sich der Fokus bewusst auf aktuelle Entwicklungen und neue Produktionen: 38 der beteiligten Künstlerinnen und Künstler haben eigens für die Ausstellung neue Werke geschaffen, zahlreiche Arbeiten werden überhaupt erstmals in Wien präsentiert.

Ausstellungsansicht „Lebt und arbeitet in Wien: Contemporary Art from Vienna”, Henning Bohl, Kunsthalle Wien Museumsquartier 2026, Foto: Markus Wörgötter
Auffällig ist dabei die Heterogenität der künstlerischen Ansätze. Unterschiedliche Generationen, ästhetische Strategien und kulturelle Hintergründe treffen aufeinander und machen sichtbar, wie plural sich die Wiener Kunstlandschaft heute definiert. Die Ausstellung verzichtet auf ein übergeordnetes stilistisches Narrativ und setzt stattdessen auf Offenheit und Vielstimmigkeit. Dadurch entsteht kein homogenes Bild einer „Wiener Schule“, sondern vielmehr ein dichtes Geflecht individueller Positionen und Fragestellungen.
Zugleich versteht sich Lebt und arbeitet in Wien als Reflexion über die Bedingungen künstlerischer Produktion selbst. Wien gilt international seit Jahren als attraktiver Arbeits- und Lebensort für Künstlerinnen und Künstler – nicht zuletzt aufgrund seiner kulturellen Infrastruktur, vergleichsweise leistbaren Ateliers und einer lebendigen institutionellen Landschaft. Dennoch thematisieren viele Arbeiten auch gesellschaftliche Spannungen, politische Unsicherheiten und die Frage, wie Kunst unter sich verändernden sozialen Bedingungen wirksam bleiben kann.
Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Programm aus Vorträgen, Performances und Diskussionen, das die Kunsthalle Wien als Ort des Austauschs und der öffentlichen Debatte positioniert. Ergänzend erscheint eine zweisprachige Publikation mit eigens beauftragten Texten zu allen beteiligten Künstlerinnen und Künstlern sowie Gesprächen zwischen Kuratorinnen, Kuratoren, Kritikerinnen, Kritikern und Kunstschaffenden aus Wien. Darüber hinaus werden Künstlerinneneditionen und Künstlereditionen produziert, die während der Ausstellung erhältlich sind.
Lebt und arbeitet in Wien ist damit weit mehr als eine Überblicksschau. Die Ausstellung macht sichtbar, wie vielfältig, widersprüchlich und lebendig zeitgenössische Kunstproduktion in Wien heute ist – und wie sehr sie von kritischem Denken, gesellschaftlicher Sensibilität und dem Bewusstsein geprägt wird, aktiv auf die Gegenwart einzuwirken.
1. Mai bis 26. Oktober 2026
https://kunsthallewien.at

Ausstellungsansicht „Lebt und arbeitet in Wien: Contemporary Art from Vienna”, Kunsthalle Wien Museumsquartier 2026, Foto: Markus Wörgötter






