Im Sommer wird Gstaad wieder zu einem jener Orte, an denen Musik nicht nur erklingt, sondern Beziehungen stiftet. Zwischen Kirchen, Bergen und dem Festival-Zelt verdichtet sich das Saanenland jedes Jahr zu einer internationalen Klanglandschaft – und doch ist das Menuhin Festival selten nur ein Ort für Konzerte. Es ist ein Ort der Übergänge: zwischen Generationen, Traditionen und künstlerischen Handschriften.

Unter dem Motto „Family Matters“ prägt Daniel Hope erstmals als Intendant das Menuhin Festival Gstaad. Vom 16. Juli bis 5. September 2026 wird das Festival dabei weniger als Abfolge großer Konzerte erfahrbar, sondern als dichtes Geflecht von Begegnungen. Musik erscheint hier als etwas, das weitergegeben wird – zwischen Generationen, zwischen künstlerischen Handschriften, zwischen Erfahrungen und Erwartungen.
Diese Idee spiegelt sich auch in der programmatischen Besetzung, die zu den eindrucksvollsten der letzten Jahre zählt. Zubin Mehta kehrt anlässlich seines 90. Geburtstags auf das Podium zurück und eröffnet gemeinsam mit dem Geiger Pinchas Zukerman das Festival – zwei Künstler, deren Karrieren selbst bereits Musikgeschichte geschrieben haben. Ihnen gegenüber stehen Stimmen der jüngeren und mittleren Generation, die das Repertoire neu befragen und erweitern.

Regula Mühlemann © Menuhin Festival Gstaad

Regula Mühlemann © Menuhin Festival Gstaad

Dazu gehören Pianist Daniil Trifonov ebenso wie Sir András Schiff, Khatia Buniatishvili und die Mezzosopranistin Regula Mühlemann, die unterschiedliche Zugänge zur romantischen und klassischen Literatur verkörpern. Auch Thomas Hampson, Gabriela Montero, Julia Lezhneva, Maurice Steger, Steven Isserlis oder Isata Kanneh-Mason prägen das Festival mit individuellen Handschriften, die zwischen Virtuosität, Reflexion und improvisatorischer Freiheit oszillieren. Auf orchestraler Ebene setzen Klangkörper wie das Royal Philharmonic Orchestra unter Vasily Petrenko, das Budapest Festival Orchestra unter Iván Fischer oder das Royal Danish Orchestra markante Akzente. Das Menuhin Festival Orchestra unter Jaap van Zweden bildet dabei einen zentralen Bezugspunkt innerhalb des Programms – ein Ensemble, das die Idee des Festivals als gemeinschaftliches Projekt hörbar macht. Immer wieder entsteht dabei der Eindruck eines Dialogs, der über einzelne Konzerte hinausweist. Generationen begegnen sich nicht hierarchisch, sondern im gemeinsamen musikalischen Raum. Erfahrung trifft auf Neugier, interpretatorische Tradition auf das Risiko des Moments.
Mit dem neuen Label „Next Gen(e)“ öffnet das Festival zusätzlich den Blick auf kommende künstlerische Stimmen und erweitert so den Gedanken der Weitergabe um eine bewusste Perspektive in die Zukunft.
So wird Gstaad auch 2026 zu einem Ort, an dem Musik nicht als abgeschlossenes Werk erscheint, sondern als lebendiger Prozess: als etwas, das zwischen Menschen entsteht, sich verändert und weitergetragen wird. Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Idee von „Family Matters“ – nicht als Programm, sondern als Haltung.
16. Juli bis 5. September 2026
www.menuhin.ch

Khatia Buniatishvili © Menuhin Festival Gstaad

Khatia Buniatishvili © Menuhin Festival Gstaad