Die Linie ist das Fundament der Kunst – so selbstverständlich, dass sie oft übersehen wird, und doch so vielfältig, dass sie seit Jahrhunderten die Basis für immer neue Ausdrucksformen bildet. Von der ersten Skizze bis zur radikal reduzierten Abstraktion: Linien strukturieren Flächen, definieren Räume, trennen und verbinden, beschreiben Realität oder lassen das Imaginäre aufscheinen. Dieser elementaren Kraft widmet die Heidi Horten Collection ab dem 19. September 2025 die große Herbstausstellung „Die Linie | The Line“, die bis zum 8. März 2026 zu sehen ist.

Die Schau versteht die Linie als universales Gestaltungsmittel, das weit über die klassische Zeichnung hinausgeht. Im Spannungsfeld von spontaner Geste und konstruktiver Strenge entfaltet sie sich als Ausdrucksmittel, das nicht nur Formen hervorbringt, sondern auch Zeit und Bewegung protokolliert. Mit Werken von Künstlerinnen und Künstlern wie Wassily Kandinsky, Pablo Picasso, Egon Schiele, Roy Lichtenstein, Agnes Martin oder Cy Twombly wird sichtbar, wie sich die Linie im Laufe der Moderne immer wieder neu erfunden hat.

Jean-Michel Basquiat, Red Savoy, 1983 © The Estate of Jean-Michel Basquiat

Jean-Michel Basquiat, Red Savoy, 1983 © The Estate of Jean-Michel Basquiat

Besonderes Augenmerk gilt den zeitgenössischen Positionen, die die Linie in den Raum übertragen. So schafft die japanische Künstlerin Chiharu Shiota mit einer ortsspezifischen Installation eine raumgreifende „Zeichnung aus Fäden“. Ihr dichtes Netz macht das Unsichtbare sichtbar: Erinnerung, Trauer und die fragile Verbindung zwischen Menschen. Eingebunden in ein partizipatives Projekt mit den Besucherinnen und Besuchern wird Shiotas Arbeit zu einem kollektiven Geflecht, das die Linie als existenzielles Bindeglied erfahrbar macht.
Dass die Heidi Horten Collection diesen Ansatz verfolgt, passt zur Grundhaltung des Hauses. Die 2022 verstorbene Sammlerin Heidi Goëss-Horten hat über Jahrzehnte hinweg eine beeindruckende Kollektion aufgebaut, die von Klassikern der Moderne bis zu bedeutenden Stimmen der Gegenwartskunst reicht. Werke von Picasso, Chagall und Matisse treffen hier auf Pop-Art-Ikonen wie Warhol und Lichtenstein oder auf zentrale Positionen der Nachkriegs- und Gegenwartskunst, darunter Gerhard Richter, Sigmar Polke, Niki de Saint Phalle und Damien Hirst. Die Bandbreite der Sammlung erlaubt es, kunsthistorische Linien zu ziehen – von den frühen Avantgarden über die Nachkriegsmoderne bis zu aktuellen Positionen. Damit bietet das Museum in Wien nicht nur einen profunden Überblick über die Kunst der letzten 120 Jahre, sondern auch einen Ort für lebendige Auseinandersetzung mit Gegenwart und Vergangenheit. Mit der Ausstellung „Die Linie“ knüpft die Heidi Horten Collection an diese Tradition an und öffnet zugleich neue Perspektiven: Sie zeigt die Linie als universales Prinzip, das ebenso elementar wie grenzenlos ist.
19. September 2025 bis 8. März 2026

Die Heidi Horten Collection freut sich bekanntzugeben, dass Verena Kaspar-Eisert, derzeit Chefkuratorin des MuseumsQuartier Wien, mit 1. November 2025 die künstlerisch-wissenschaftliche Leitung des Hauses übernimmt.
hortencollection.com