Gerhard Garstenauer zählt zweifellos zu den bedeutendsten Architekten Österreichs der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Werk mag geografisch größtenteils auf Stadt und Land Salzburg konzentriert sein, doch seine architektonische Haltung und seine präzise Umsetzung von Gestaltungsideen haben national wie international Anerkennung gefunden. 2025 feiert Garstenauer seinen hundertsten Geburtstag – ein Anlass, der weit über das Jubiläum hinaus die Bedeutung seines Schaffens für die Baukultur verdeutlicht.

Garstenauer war ein Architekt, dessen Arbeit stets aus klaren Konzepten und methodischem Denken entstand. Jede Linie, jeder Raum und jedes Material waren sorgfältig durchdacht. Dabei war seine Architektur nie Selbstzweck, sondern eingebettet in gesellschaftliche und kulturelle Kontexte. Ob als Planer, Lehrer oder Impulsgeber in Kommissionen und Jurys: Garstenauer prägte Salzburg über Jahrzehnte hinweg als kritische und charismatische Stimme der Baukultur. Seine Bauten zeigen, wie Architektur als kulturelles Statement wirken kann und gesellschaftliche Impulse setzt.

Ausstellungsansicht © Salzburg Museum/Maurice Rigaud

Ausstellungsansicht © Salzburg Museum/Maurice Rigaud

Zu seinen wichtigsten Projekten zählen die Felsentherme in Bad Gastein und die Stubnerkogelbahn – Meisterwerke, die nicht nur funktional sind, sondern die Moderne als Haltung und Lebensgefühl verkörpern. In der konservativ geprägten Nachkriegslandschaft schufen sie visionäre Räume, die experimentierfreudig und zukunftsorientiert zugleich waren. Der präzise Umgang mit Materialien, die klare Formsprache und der Dialog mit der Umgebung machen Garstenauers Architektur bis heute bemerkenswert und inspirierend.
Ein Glücksfall für die Forschung ist der umfangreiche Nachlass Garstenauers, der seit 2010 im Salzburg Museum zugänglich und digital erfasst ist. Dies ermöglicht eine fundierte wissenschaftliche Auswertung, die das Werk Garstenauers umfassend beleuchtet. Martin Hochleitner, Direktor des Salzburg Museum, betont die Bedeutung dieser Sammlung: „Der Nachlass erlaubt es, Garstenauer nicht nur retrospektiv zu würdigen, sondern sein Werk für zukünftige Generationen zu erschließen und im Diskurs zu vermitteln.“

Ausstellungsansicht © Salzburg Museum/Maurice Rigaud

Ausstellungsansicht © Salzburg Museum/Maurice Rigaud

Die Sonderschau „Garstenauer Einhundert. Architekt – Gestalter – Denker“, die bis 20. Februar 2026 im Architekturhaus Salzburg zu sehen ist, versteht sich als vielschichtige Hommage. Sie vereint Rückblick, Analyse und Appell: Viele der einst gefeierten Bauten sind durch Umbauten, Vernachlässigung oder Abriss bedroht. Die Ausstellung macht deutlich, dass der bewusste Umgang mit architektonischem Erbe der Moderne eine zentrale Aufgabe für Gegenwart und Zukunft ist. Sie lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, sich mit einer Epoche auseinanderzusetzen, in der Salzburg architektonisch visionär agierte, und den Geist dieser Baukultur für kommende Generationen zu bewahren.
17. Oktober 2025 bis 20. Februar 2026
www.salzburgmuseum.at