Zwischen Liebe, Eifersucht und Opfermut entfaltet Rameaus Castor et Pollux ein musikalisches Drama von barocker Wucht und psychologischer Tiefe. Nanine Linning verbindet Tanz und Musiktheater zu einem intensiven Blick in menschliche Abgründe – begleitet von Bernhard Forck, einem der profiliertesten Spezialisten für Alte Musik.

Im Zentrum von Jean-Philippe Rameaus Meisterwerk Castor et Pollux stehen vier Menschen, die durch die Hölle ihrer eigenen Gefühle gehen. Choreographin und Regisseurin Nanine Linning – dem Grazer Publikum bereits aus Hoffmanns Erzählungen vertraut – lässt erneut jene für die französische Barockoper charakteristische Verschmelzung von Tanz und Musiktheater entstehen. Als künstlerischer Partner begleitet sie Bernhard Forck, ein ausgewiesener Kenner und Interpret Alter Musik.

Die Ausgangssituation ist von Beginn an unauflösbar: Télaïre ist Pollux versprochen, liebt jedoch – wie auch Phébé – Pollux’ Bruder Castor. Pollux wiederum liebt Télaïre. Um seinen Bruder glücklich zu sehen, verzichtet Pollux auf seine eigene Liebe. Doch Castor fällt kurz darauf in einem Kampf, den die eifersüchtige Phébé provoziert hat. Um Télaïre und Castor dennoch vereinen zu können, fasst Pollux einen radikalen Entschluss: Er steigt in die Unterwelt hinab, um den Bruder zurückzuholen – im Bewusstsein, dass er dafür selbst dort verbleiben muss. Und Phébés Leidenschaft für Castor lodert unvermindert weiter.

Der Gang in die Unterwelt, um einen geliebten Menschen ins Leben zurückzuführen, gehört zu den ältesten und eindrucksvollsten Motiven der Weltliteratur. Wie schon Monteverdi in L’Orfeo nutzt Rameau diesen Topos, um ein seelisches Porträt seiner vier Protagonist:innen zu zeichnen. Mit unkonventioneller Harmonik, differenzierten Klangfarben und einer dramaturgischen Präzision, die ihrer Zeit voraus war, revolutionierte er die französische Oper nach Lully.

Nach der Uraufführung 1737 überarbeitete Rameau sein Werk grundlegend. Die zweite Fassung von 1754, dramaturgisch gestrafft und musikalisch weiter verfeinert, wurde ein durchschlagender Erfolg – und trug wesentlich dazu bei, dass Camille Saint-Saëns später urteilte: „Der unsterbliche Rameau ist das größte musikalische Genie, das Frankreich je hervorgebracht hat.“
Premiere 11. April
weitere Aufführungen: 16., 19., 22. und 25. April, 29. Mai, 7. und 25. Juni 2026

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