Mit Der blinde Passagier bringt das Landestheater Niederösterreich eine eindringliche Wiederentdeckung der Wiener Moderne auf die Bühne. Maria Lazars spannungsgeladene Parabel über Zivilcourage und Verantwortung verbindet Kriminalhandlung mit moralischer Zuspitzung und stellt die zeitlose Frage, wie viel Mut Menschlichkeit erfordert.

Winter 1938. In dichtem Nebel liegt ein dänisches Paketboot in einem deutschen Hafen. Als das Schiff auslaufen will, entdeckt Carl, der Sohn des Kapitäns, einen Mann im eiskalten Wasser. Er rettet ihn und versteckt den Fremden im Frachtraum. Doch der blinde Passagier bleibt nicht lange unentdeckt, und bald steht die gesamte Besatzung vor einer Entscheidung, die ihr eigenes Leben bedroht.

Der gerettete Mann ist ein jüdischer Arzt auf der Flucht vor den Nationalsozialisten. Mit seiner Entdeckung kippt die anfängliche Solidarität in Angst, Misstrauen und offene Konflikte. Was als Kriminalgeschichte beginnt, entwickelt sich zu einem beklemmenden gesellschaftspolitischen Drama, das individuelle Moralvorstellungen gegen kollektive Verantwortung ausspielt. Die Frage, wie weit Menschen bereit sind zu gehen, um ein anderes Leben zu retten, wird auf engstem Raum existenziell zugespitzt.

Maria Lazars Text entfaltet dabei eine bemerkenswerte Aktualität. Mit präzisem Blick beschreibt sie Mechanismen von Anpassung, Angst und Mitläufertum – und setzt ihnen die Möglichkeit von Zivilcourage und Mitmenschlichkeit entgegen. Die österreichische Erstaufführung unter der Regie von Mira Stadler rückt diese lange übersehene Autorin ins Zentrum und macht ihr Werk als eindringliche Warnung und humanistisches Plädoyer neu erfahrbar.
Premiere 13. März
weitere Aufführungen: 21. und 27. März, 8., 9. und 11. April, 21. und 22. Mai 2026

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