Mit der Landesgalerie Burgenland verfügt Eisenstadt über einen Ort, der sich konsequent der zeitgenössischen bildenden Kunst widmet und dabei weit mehr sein möchte als ein klassischer Ausstellungsraum. Die Institution versteht sich als lebendige Plattform für künstlerischen Austausch, als Treffpunkt für Publikum, Künstlerinnen, Künstler und Fachleute sowie als Raum für Forschung, Vermittlung und neue Perspektiven. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Kunst gesellschaftliche Entwicklungen sichtbar machen und neue Zugänge eröffnen kann.
Durch Workshops, Gesprächsformate und interdisziplinäre Kooperationen schafft die Landesgalerie einen offenen Dialog zwischen Kunstproduktion und Öffentlichkeit. Literatur, Musik und darstellende Kunst fließen ebenso in das Programm ein wie die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Fragestellungen und ästhetischen Prozessen. Die Landesgalerie Burgenland positioniert sich damit als kulturelle Drehscheibe, die regionale Verankerung mit internationalem Anspruch verbindet.
her*spectives Positionen aus der Sammlung Müller
Mit der Ausstellung „herspectives“ widmet sich die Landesgalerie Burgenland in Eisenstadt einem Thema, das in der Gegenwartskunst ebenso dringlich wie vielschichtig verhandelt wird: dem weiblichen Körper als Ort von Erinnerung, Zuschreibung, Widerstand und Selbstermächtigung. Die Schau vereint internationale künstlerische Positionen aus der Sammlung Müller und spannt dabei einen eindrucksvollen Bogen von der feministischen Avantgarde der 1960er- und 1970er-Jahre bis hin zu aktuellen Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen.
Im Zentrum steht die Frage, wie Weiblichkeit historisch konstruiert wurde – und wie sie heute dekonstruiert, neu erzählt und individuell zurückerobert wird. Die frühen Pionierinnen der feministischen Kunst reagierten auf gesellschaftliche Umbrüche und patriarchale Strukturen mit radikalen, oft körperbezogenen Ausdrucksformen. Ihre Arbeiten verhandeln Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Unterdrückung und Befreiung und haben bis heute nichts an politischer Schärfe verloren.
In Dialog mit diesen historischen Positionen treten zeitgenössische Künstlerinnen, die den weiblichen Körper als komplexes Erfahrungsfeld begreifen. Ihre Arbeiten beschäftigen sich mit Fragen von Scham, Moral und gesellschaftlicher Normierung ebenso wie mit Lust, Begehren und Selbstwahrnehmung. Der Körper erscheint dabei nicht als statisches Bild, sondern als wandelbare Oberfläche von Erfahrung – geprägt von Zuschreibungen, aber auch von Aneignung und Widerstand.
„her*spectives“ zeigt den weiblichen Körper als Projektionsfläche und zugleich als handelndes Subjekt: gemustert und idealisiert, verletzt und instrumentalisiert, aber auch selbstbestimmt, präsent und liebevoll angenommen. In dieser Spannung entfaltet sich ein vielschichtiges Panorama, das individuelle Identität ebenso sichtbar macht wie kollektive gesellschaftliche Strukturen.
Die Ausstellung macht deutlich, dass Fragen nach Körper, Geschlecht und Sichtbarkeit keine abgeschlossenen Kapitel der Kunstgeschichte sind, sondern hochaktuelle Diskurse, die sich stetig weiterentwickeln. Gerade im Zusammenspiel unterschiedlicher Generationen entsteht ein lebendiger Dialog über das, was Weiblichkeit bedeuten kann – jenseits von Normen, Rollenbildern und Zuschreibungen.
So wird „her*spectives“ in der Landesgalerie Burgenland nicht nur zu einer kunsthistorischen Reflexion, sondern auch zu einem Raum der Auseinandersetzung: mit dem eigenen Blick, mit gesellschaftlichen Erwartungen und mit der Freiheit, Körper neu zu denken.
30. Mai bis 13. September 2026

Im Fokus Margit Koppendorfer © Margit Koppendorfer
Im Fokus Margit Koppendorfer
Von 30. Mai bis 13. September 2026 richtet die Landesgalerie ihren Fokus auf die renommierte Kostümbildnerin Margit Koppendorfer. Die Ausstellung widmet sich einer Künstlerin, deren Arbeiten seit Jahrzehnten die Theaterlandschaft im deutschsprachigen Raum prägen und deren Entwürfe weit über bloße Bühnenkostüme hinausreichen. Koppendorfers Arbeiten erzählen von Figuren, Atmosphären und inneren Zuständen. Sie erschafft textile Bildwelten, in denen Charaktere sichtbar werden und Räume emotionale Tiefe erhalten.
Seit 1987 arbeitet Margit Koppendorfer als freischaffende Kostümbildnerin an bedeutenden Schauspiel- und Opernhäusern Europas. Ihre künstlerische Laufbahn führte sie unter anderem an das Wiener Burgtheater, das Berliner Ensemble sowie an Bühnen in Frankfurt, Hamburg, München, Köln und Düsseldorf. Auch internationale Opernproduktionen in Lissabon, Zürich oder Leipzig tragen ihre unverwechselbare Handschrift. Besonders prägend waren ihre Zusammenarbeit mit Claus Peymann sowie die Begegnungen mit George Tabori, deren Theaterverständnis von künstlerischer Radikalität, Präzision und Humanität geprägt war.
Koppendorfers Entwürfe bewegen sich stets zwischen Realität und Inszenierung. Ihre Kostüme sind niemals bloß dekoratives Beiwerk, sondern zentrale Elemente des Erzählens. Stoffe, Farben und Silhouetten werden bei ihr zu psychologischen Instrumenten, die Figuren formen und Stimmungen verdichten. Gerade in einer Zeit, in der visuelle Identitäten zunehmend ins Zentrum gesellschaftlicher Wahrnehmung rücken, erscheint ihr Werk bemerkenswert aktuell.
Die Ausstellung in Eisenstadt eröffnet damit nicht nur einen Blick auf eine außergewöhnliche Künstlerinnenbiografie, sondern auch auf die oft unterschätzte Kunstform des Kostümbilds selbst. Sie macht sichtbar, wie eng Mode, Theater, Körper und Identität miteinander verbunden sind – und wie stark Kostüme unsere Wahrnehmung von Rollen, Geschichten und Menschen beeinflussen können.
Mit „im Fokus: Margit Koppendorfer“ gelingt der Landesgalerie Burgenland eine ebenso sensible wie kraftvolle Würdigung einer Künstlerin, die seit Jahrzehnten hinter den Kulissen große Theatermomente miterschafft – und deren Arbeiten nun selbst ins Zentrum der Aufmerksamkeit treten.
30. Mai bis 13. September 2026
https://landesgalerie-burgenland.at






