Wenn sich der Kirchenplatz in Parndorf an lauen Sommerabenden in eine Bühne verwandelt, entsteht seit bald drei Jahrzehnten ein ganz eigener Theaterkosmos. Der Theater Sommer Parndorf hat sich mit seinem unverwechselbaren Ambiente und der Nähe zum Publikum als fixe Größe des sommerlichen Kulturbetriebs etabliert – ein Ort, an dem große Klassiker mit Leichtigkeit, Witz und Leidenschaft zum Leben erwachen. 2026 steht nun ein Werk im Zentrum, das wie kaum ein anderes den schmalen Grat zwischen Komik und menschlicher Abgründigkeit auslotet: Molières „Der Geizige“.

Intendant Christian Spatzek bringt die berühmte Komödie nicht nur auf die Bühne, sondern übernimmt zugleich Regie und eine Rolle im Ensemble. Damit setzt er die Tradition eines Theaters fort, das sich durch persönliche Handschrift, Ensemblegeist und unmittelbare Spielfreude auszeichnet. „Der Geizige“ (L’Avare), 1668 uraufgeführt, gehört zu den bedeutendsten Werken der europäischen Theatergeschichte – und hat bis heute nichts von seiner Schärfe verloren. Im Mittelpunkt steht Harpagon, ein Mann, dessen Leben vollständig vom Besitzdenken beherrscht wird. Sein Reichtum ist für ihn nicht Mittel zum Leben, sondern dessen Zentrum – und zugleich Quelle ständiger Angst. Misstrauen, Kontrolle und krankhafte Sparsamkeit bestimmen seinen Alltag und ziehen Kreise in sein gesamtes Umfeld. Besonders seine Kinder geraten in ein Spannungsfeld zwischen persönlichem Glück und väterlicher Macht, zwischen Liebe und materieller Abhängigkeit.

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TOSCA im Römersteinbruch
Christian Spatzek © Richard Tanzer

Christian Spatzek © Richard Tanzer

Molière gelingt in dieser Figur das Kunststück, eine menschliche Schwäche so radikal zu überzeichnen, dass sie gleichzeitig entlarvend und komisch wirkt. Das Publikum lacht über Harpagnons Obsession – und erkennt darin zugleich zeitlose Mechanismen wieder. Denn auch mehr als 350 Jahre nach der Uraufführung stellt das Stück unbequeme Fragen: Welche Rolle spielt Geld in unseren Beziehungen? Wie sehr bestimmen Besitz und Sicherheit unser Handeln? Und wo beginnt die Gefahr, dass materielle Werte menschliche Nähe verdrängen?
Gerade diese Mischung aus pointierter Komik und gesellschaftlicher Tiefe macht „Der Geizige“ zu einem Klassiker, der immer wieder neu gelesen werden kann. In Parndorf entfaltet sich das Stück dabei in einem besonderen Rahmen: Der Kirchenplatz wird zur offenen Bühne, auf der sich Nähe und Distanz zwischen Spielenden und Publikum auf einzigartige Weise auflösen. Das sommerliche Setting verstärkt die Leichtigkeit der Komödie und öffnet zugleich Raum für die präzisen Beobachtungen Molières.

Theater Sommer Parndorf 2025 © Viktor Fertsak

Theater Sommer Parndorf 2025 © Viktor Fertsak

Das Ensemble rund um Christian Spatzek – mit Georg Kusztrich, Benjamin Spindelberg, Sandra Högl, Fanny Holzer, Niklas Zoubek, Kurt Hexmann, Irene Budischowsky, Sissi Gotsbachner, Luka Wagner, Hermann J. Kogler, Florian Schwarz und Hanni Kusztruzsztrich – bringt die Figuren mit Spielfreude, Tempo und feinem Gespür für Timing auf die Bühne. Zwischen Slapstick, Wortwitz und Momenten überraschender Ernsthaftigkeit entsteht ein lebendiges Spiel über menschliche Schwächen, das ebenso unterhält wie nachdenklich stimmt.
„Der Geizige“ beim Theater Sommer Parndorf ist damit mehr als eine sommerliche Komödie. Es ist ein Spiegel unserer Zeit, verpackt in die elegante Sprache Molières – und eine Einladung, über das eigene Verhältnis zu Geld, Macht und Glück zu schmunzeln und zugleich nachzudenken.
9. Juli bis 2. August 2026
https://theatersommer-parndorf.at