Die Europäischen Literaturtage 2026 laden von 19. bis 22. November nach Krems ein. Vier Tage lang begegnen sich europäische Gegenwartsliteratur, Musik und Kunst rund um eine Frage, die aktueller kaum sein könnte: Was gibt uns Hoffnung in Zeiten der Krise?

Zuversicht ist eine besondere Kraft. Sie verleiht Flügel, lässt uns nach vorne blicken und an Veränderung glauben. Gleichzeitig kann sie angesichts einer Welt voller Krisen, Konflikte und Unsicherheiten auch ins Wanken geraten. Was also bedeutet es heute, zuversichtlich zu bleiben? Ist Hoffnung eine zutiefst menschliche Eigenschaft? Und brauchen wir sie gerade dann am meisten, wenn die Aussichten besonders düster erscheinen? Diesen Fragen widmen sich die Europäischen Literaturtage 2026 in Krems an der Donau. Unter dem Leitmotiv „Zuversicht“ verwandelt sich der Klangraum Krems Minoritenkirche von 19. bis 22. November erneut in einen inspirierenden Treffpunkt für europäische Literatur, große Gedanken und neue Perspektiven. Schriftsteller und Festival-Kurator Walter Grond versammelt Autorinnen und Autoren, Denkerinnen und Denker unterschiedlicher Generationen, um gemeinsam über die Widersprüche, Herausforderungen und Möglichkeiten der Hoffnung nachzudenken.

Robert Menasse © Rafaela Proell

Robert Menasse © Rafaela Proell

Den Auftakt gestalten am Donnerstagabend die Zukunftsforscherin Lena Papasabbas, die für eine radikale Zuversicht im Denken plädiert, und der Schriftsteller Robert Menasse, der sich in seinem aktuellen Werk mit jenem Idealismus auseinandersetzt, an dem festzuhalten sich trotz aller Zweifel lohnt.
Auch die folgenden Tage versprechen vielfältige literarische Entdeckungen. Ursula Poznanski und Aiki Mira fragen nach der Macht der Technik und den Perspektiven einer digitalen Zukunft. Jonathan Coe beleuchtet politische Entwicklungen und gesellschaftliche Netzwerke, während Dorota Ambrožová und Miriam Davoudvandi von schwierigen Lebensbedingungen, Solidarität und der Sehnsucht nach echten Verbindungen erzählen. Am Samstag stehen unter anderem Klimakrise, gesellschaftlicher Zusammenhalt und die Kraft positiver Nachrichten im Mittelpunkt. Sigrid Stagl, Florian Vitello, Eva Meijer und Amber Massie-Blomfield eröffnen dabei unterschiedliche Blickwinkel auf die Frage, wie Veränderung gelingen kann.

Dorota_Maslowska © Szymon Roginski

Dorota_Maslowska © Szymon Roginski

Besonders sinnlich wird das Programm bei den abendlichen Veranstaltungen „Worte und Töne“, die in Kooperation mit dem Festival Glatt&Verkehrt entstehen. Literatur trifft hier auf Musik, Lesungen auf fein abgestimmte Klangwelten. Maja Haderlap und Eli Beneš erzählen am Freitag von familiären Traumata und der Kraft des Lebens. Am Samstag stehen Werke von Magdalena Schrefel und Anthony Passeron im Mittelpunkt. Für die musikalischen Akzente sorgen unter anderem Wolfgang Puschnig, Samo Weidinger und Sophie Abraham.
Literatur verlässt dabei auch die Kirchenmauern: Spaziergänge durch Krems und Stein, ein Besuch der Landesgalerie Niederösterreich sowie eine Lesung von Ilma Rakusa verbinden Literatur, Architektur, Musik und bildende Kunst zu einem vielschichtigen Kulturerlebnis.
Ein besonderer Höhepunkt erwartet das Publikum zum Abschluss am Sonntag: Die italienische Schriftstellerin Dacia Maraini erhält den Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln.
Vier Tage, zahlreiche Stimmen und eine gemeinsame Frage: Wie gelingt es uns, trotz allem an die Zukunft zu glauben? Die Europäischen Literaturtage 2026 zeigen, dass Zuversicht keine naive Beschönigung der Wirklichkeit sein muss. Vielleicht beginnt sie gerade dort, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen, Geschichten teilen und den Mut entwickeln, neue Möglichkeiten zu denken.
19. bis 22. November 2026
www.europaeischeliteraturtage.at

Eli Beneš © Václav Mašinda

Eli Beneš © Václav Mašinda