Ein Museum voller Geschichten: Das Rollettmuseum Baden – Niederösterreichs ältestes Museum – zeigt in faszinierenden Sammlungen, wie sich Stadt, Wissenschaft und Lebensfreude über Jahrhunderte entwickelten. Ein Ort, an dem Neugier und Geschichte lebendig werden.

Ein Glück, dass Sie hier im Rollettmuseum Baden gelandet sind – auch wenn der Name nichts mit Glücksspiel zu tun hat.

Benannt ist das Haus nach dem Arzt, Forscher und leidenschaftlichen Sammler Anton Rollett (1778–1842), der mit unermüdlicher Neugier eine der ungewöhnlichsten Privatsammlungen Österreichs zusammenstellte.

Heute gilt das Museum als das älteste Museum Niederösterreichs und gewährt auf rund 350 Quadratmetern einen eindrucksvollen Einblick in die Geschichte des Kurortes Baden – von der Jungsteinzeit bis in die Moderne. Im selben Gebäude befindet sich auch das Stadtarchiv Baden, das die Geschichte der Stadt und ihrer Bürger:innen dokumentiert.


🧭 Das Rollettkabinett – Eine Wunderkammer des Wissens

Im sogenannten Rollettkabinett offenbart sich der Geist des 19. Jahrhunderts – eine Ära des Sammelns, Forschens und Staunens.

Die kleine „Wunderkammer“ präsentiert Bücherkästen mit getrockneten Pflanzen, Schneckenkönige, Apothekenkrokodile und sogar eine altägyptische Mumie.

Zu den kuriosesten Stücken zählen die exotischen Souvenirs einer Weltreise, eine Miniatur-Reiseapotheke, eine 24-bändige Sammlung weiblicher Handarbeiten sowie eine Rose aus dem Garten des Erzherzogs Carl – konserviert in Rolletts eigenem Rosenherbarium.


💀 Unheimliche Gefilde – Die Gall’sche Schädelsammlung

Einen besonderen Platz nimmt die Gall’sche Schädelsammlung ein – Zeugnis eines wissenschaftlichen Irrwegs und zugleich Spiegel der Faszination für den menschlichen Geist.

Der Arzt Franz Joseph Gall (1758–1828) glaubte, anhand der Schädelform Charaktereigenschaften erkennen zu können. Seine Theorien machten ihn zu einem europaweiten Star – bis hin zur „Schädelepidemie“, wie Zeitungen damals berichteten.

Neben über 200 Totenköpfen und Büsten finden sich im Rollettmuseum heute Wachsnachbildungen menschlicher Gehirne, Napoleons Lebendmaske, eine Replik von Marie Antoinettes Hand und der Eisbärschädel – eine morbide, aber faszinierende Sammlung.

Rollettmuseum, Gallische Schädelsammlung © Rollettmuseum Baden

Rollettmuseum, Gallische Schädelsammlung © Rollettmuseum Baden

🗿 Von der Jungsteinzeit bis zum Mittelalter – Geschichte zum Anfassen

Die archäologischen Sammlungen führen Besucher:innen in die jungsteinzeitliche Badener Kultur.

Kupferhalsreifen, Knochenflöten und Werkzeuge erzählen vom Leben vor 5000 Jahren.

Ein eigener Bereich ist dem Mittelalter gewidmet: Mit Stadtmauern, Siegeln, Ritterrüstungen und dem legendären „Lumpentürl“, durch das Badener Weinliebhaber einst heimlich zur Heurigenfreude fanden.


🔥 Krisen, Brände und Wiederaufbau – Stationen der Stadtgeschichte

Dokumente und Artefakte zwischen 1500 und 1800 bezeugen Badens bewegte Vergangenheit.

Brände, Kriege und Seuchen prägten die Stadt. Das verheerende Feuer von 1812 zerstörte weite Teile Badens – und schenkte ihm zugleich sein bis heute erhaltenes biedermeierliches Stadtbild.

Besondere Exponate wie die Stadterhebungsurkunde Kaiser Friedrichs III. oder eine alte Semmel aus napoleonischer Zeit machen Geschichte greifbar.

Rollettmuseum, Mittelaltersaal © Andreas Buchberger

Rollettmuseum, Mittelaltersaal © Andreas Buchberger

💧 Quellen und Kuren – Die Badener Lebensader

Im 19. Jahrhundert wurde Baden zu einem der bedeutendsten Kurorte Europas.

Im Museum entdeckt man historische Körperwaagen mit Spiegelskala, Rollstühle, alte Heilmittel und Pläne der Thermalquellen.

Diese Objekte erzählen, wie Gesundheit, Schönheit und gesellschaftliches Ansehen einst untrennbar miteinander verbunden waren.


🎨 Biedermeier & Sommerfrische – Die elegante Seite Badens

Zur Zeit Kaiser Franz I. erlebte Baden eine glanzvolle Blüte.

Die Biedermeier-Sammlung zeigt prachtvolle Porzellan-Souvenirs, Dioramen, Modezeichnungen und Nippes aus einer Ära, in der „Sehen und Gesehenwerden“ zum Lebensgefühl wurde.

Anton Rolletts Insektenkasten und sein Bügeltisch mit Geheimfach bezeugen den feinen Humor und die Sammelleidenschaft dieser Epoche.

Rollettmuseum, Biedermeiersaal © Andreas Buchberger

Rollettmuseum, Biedermeiersaal © Andreas Buchberger

🍷 Vom Weinbau bis zur Operette – Baden im Wandel

Ein eigener Raum widmet sich der Tradition des Weinbaus, mit historischen Werkzeugen, Weingeschirr und einem keltischen Rebmesser.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte schließlich kulturelle Blüte:

Operette, Walzer, Automobilbau – und eine Sommerarena, in der selbst das aufgehobene Rauchverbot zur Attraktion wurde.


⚔️ Vom Kaiser bis zum Kalten Krieg – Ereignisse bis 1955

Die jüngere Geschichte Badens zeigt Licht und Schatten:

Vom Ersten Weltkrieg über die sowjetische Besatzung bis zur Wiedergeburt als moderne Stadt.

Besonders eindrucksvoll: Gemälde des Künstlers Carl Probst, die den Wandel von Hoffnung zu Zerstörung einfangen – und ein Originalbrief von 1945, der das Kriegsende beschreibt.


📍 Rollettmuseum Baden

  • Weikersdorfer Platz 1, 2500 Baden bei Wien

  • Öffnungszeiten: täglich außer Dienstag, 15–18 Uhr

  • Geschlossen am 24., 25., 26., 31. Dezember und 1. Jänner

www.rollettmuseum.at