Zwischen Freiheit und Gewalt, Abenteuer und Verbrechen: Das Weltenmuseum Hannover lädt dazu ein, den Mythos der Piraterie neu zu entdecken.

Sie weht im Wind, die schwarze Flagge. Sie steht für Abenteuer, Freiheit und den Traum vom Leben jenseits aller Regeln. Doch hinter der schillernden Legende von Augenklappe, Holzbein und vergrabenen Schätzen verbirgt sich eine weitaus komplexere Geschichte. Mit der Ausstellung „Unter schwarzer Flagge – Piraten zwischen Nordsee und Karibik“ nimmt das Weltenmuseum Hannover sein Publikum mit auf eine faszinierende Reise in die Welt der Seeräuber – und hinterfragt dabei die Bilder, die unsere Vorstellung von Piraten bis heute prägen.
Hochkarätige Leihgaben, von denen einige erstmals in Deutschland zu sehen sind, eröffnen überraschende Einblicke in eine Welt zwischen Beutezügen, gefährlichem Bordalltag und dem Streben nach Reichtum. Sie erzählen von Gewalt und Entbehrungen, aber auch von Gemeinschaft, ungewöhnlichen Lebensentwürfen und dem permanenten Risiko, selbst zum Opfer zu werden. Dabei wird deutlich: Piraterie war weit mehr als ein romantisches Abenteuer auf hoher See.

Pieter Mulier, Schiffe in stürmischer See, um 1650 (?), Schenkung aus dem Nachlass Fritz Beckmann © Landesmuseum Hannover

Pieter Mulier, Schiffe in stürmischer See, um 1650 (?), Schenkung aus dem Nachlass Fritz Beckmann © Landesmuseum Hannover

Denn Piraten waren nicht nur Gesetzlose, sondern auch Akteure einer Welt im Wandel. Sie trugen zum Austausch von Technologien und Ideen bei und beeinflussten damit Entwicklungen, die die frühe Globalisierung mitprägten. Auch der sogenannte Piratenkodex eröffnet eine überraschende Perspektive: Die Regeln des Zusammenlebens an Bord werden mitunter als frühe Ansätze demokratischer Prinzipien interpretiert.
Zwischen Nordsee und Karibik entfaltet sich so ein vielschichtiges Panorama menschlicher Sehnsüchte, gesellschaftlicher Konflikte und historischer Widersprüche. Was bedeutet Freiheit, wenn sie auf Kosten anderer gelebt wird? Wo endet Rebellion, wo beginnt Kriminalität? Und weshalb üben jene, die sich gegen die bestehende Ordnung auflehnen, bis heute eine solche Faszination aus?
„Unter schwarzer Flagge“ lädt dazu ein, vertraute Vorstellungen über Bord zu werfen und die Geschichte der Piraterie neu zu betrachten. Eine Ausstellung, die nicht nur von vergangenen Zeiten erzählt, sondern auch Fragen aufwirft, die erstaunlich gegenwärtig sind.
27. November 2026 bis 2. Mai 2027
https://landesmuseum-hannover.de