Wie so viele andere ethnographische Museen auf der Welt muss sich auch das Weltmuseum Wien mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen, um seine Zukunft zu gestalten. Denn was man in unseren Sälen bestaunen kann, wurde im Laufe der letzten Jahrhunderte manchmal unter fragwürdigen Bedingungen zusammengetragen. Deshalb suchen wir den offenen Dialog, sind selbstkritisch und verstehen uns als Forum, in dem möglichst viele Stimmen Gehör finden sollen. Dabei immer im Fokus: das Publikum.
Hier ein paar Highlights der momentanen Sonderausstellungen.

Alma M. Karlin
Die Schriftstellerin Alma M. Karlin wurde 1889 in Celje geboren. Die im heutigen Slowenien gelegene Stadt war zu dieser Zeit noch Teil der Habsburgermonarchie und durch die deutsch-slowenische Spaltung geprägt. Karlin versuchte ihr Leben lang dieser politischen Engstirnigkeit zu entfliehen. Sie studierte in London mehrere Sprachen und brach 1919 zu einer Weltreise auf. Im Gegensatz zu den meisten Reisenden dieser Zeit verfügte sie über keine ausreichenden finanziellen Mittel und musste die acht Jahre dauernde Reise durch unterschiedliche Arbeiten selbst finanzieren.

Die von ihr während der Reise gesammelten Objekte, welche sich heute im Regionalmuseum Celje befinden, spiegeln diese wechselnden finanziellen Möglichkeiten wider. Nach ihrer Rückkehr lebte sie bis zu ihrem Tod 1950 in ihrer Geburtsstadt. Als Autorin feierte sie große Erfolge und ihre Bücher, welche häufig auch ihre Weltreise zum Thema hatten, wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Unter den Nationalsozialisten wurden ihre Werke verboten und nach 1945 wurde sie als deutschsprachige Autorin von jugoslawischer Seite angefeindet und in weiterer Folge vergessen. Erst seit wenigen Jahren wird ihr Werk in und außerhalb Sloweniens wiederentdeckt.
bis 18. Januar 2022

… aus Afghanistan
„… aus Afghanistan“ wirft Streiflichter auf Szenen des alltäglichen Lebens von Afghan*innen in deren ursprünglichen Heimat bis hin zum Leben von in Wien wohnenden Geflüchteten. Das Weltmuseum Wien will mit dieser Ausstellung ein anderes Bild zeigen, als es viele Medienberichte nach der Machtübernahme der Taliban am 15. August 2021 boten.
„… aus Afghanistan“ zeichnet besonders aus, dass die Präsentation nicht von Museumskurator*innen alleine gestaltet wurde. Vielmehr haben in Wien lebende Afghan*innen Objekte aus der Sammlung des Museums ausgewählt oder dem Museum eigene Objekte geliehen, die ihnen wichtig erschienen, um über das Leben in ihrer alten Heimat und in Wien zu berichten. Sie haben auch Texte zu verschiedenen Themen verfasst, die in der Präsentation zu lesen sind.
„… aus Afghanistan“ geht es nicht um die Taliban, nicht um die Flucht vieler Afghan*innen oder um schwer bewaffnete Kämpfer, die durch die Straßen Kabuls patrouillieren. Vielmehr sollen von Frauen angefertigte Keramiken oder geflochtene Körbe, Silberschmuck und farbenprächtige Kleider, Gebetstücher und Papierdrachen Einblicke in die Kultur jenseits des Kriegsgeschehens bieten.
„… aus Afghanistan“ präsentiert Szenen aus dem alltäglichen Leben vieler Ethnien. Der Bogen spannt sich von der Gastfreundschaft zum gemeinsamen Essen und Teetrinken, von der Weitergabe des Brautschmucks von der Mutter des Bräutigams zur neuen Schwiegertochter bis hin zum Drachensteigen, um nur einige Themen anzuführen.
1. Oktober 2021 bis 31. Mai 2022

Re:present
Re:Present ist das Thema des Calle Libre Street-Art-Festivals 2021. Gemeinsam mit dem Weltmuseum Wien soll eine Plattform für einen künstlerischen Diskurs über das kulturelle Erbe von Kolonialismus und die Folgen für die von der Ausbeutung ihrer (menschlichen) Ressourcen betroffenen Länder geschaffen werden.  Calle Libre und das Weltmuseum Wien wollen mit dem Ausstellungsprojekt Dialoge ermöglichen. Dazu werden Aktivist*innen, kritische Stimmen und Empowerment-Initiativen eingeladen, sich aktiv in die Ausstellung einzubringen.
Die teilweise direkt an den Wänden der Ausstellungsräume entstehenden Werke schaffen Verbindungen zu weiteren Arbeiten im öffentlichen Raum, die 2021 und in den letzten Jahren im Rahmen des Calle Libre Festivals geschaffen wurden. Im Weltmuseum Wien werden elf künstlerische Positionen von internationalen Künstler*innen und Fotograf*innen zu sehen sein. Insbesondere zielen die Kunstwerke darauf ab, einen ehrlichen Dialog zu schwierigen Themen in- und außerhalb des Museums zu fördern.
bis 15. März 2022

www.weltmuseumwien.at/